Das Versprechen – eine Betrachtung der Verhaltensweise einzelner Berufsgruppen

Wer kennt sie nicht die beliebten Sprüche über das Versprechen. Wir lernen schon von Kindesbeinen an, „dass versprochen versprochen ist und nicht gebrochen wird. …Aber wer kennt nicht auch die in späteren Jahren gelernten Sätze, wie „Versprechen ist eins und halten ein anderes“, oder „versprechen ist ehrlich, Halten beschwerlich“.

Unabhängig davon, um welche Form des Versprechen es geht, ist es doch – wie alle vier Jahre üblich – erstaunlich, was die Politiker den Wählern versprechen, tun zu wollen, wenn sie nur (wieder) gewählt werden. Wahlzeit ist Versprechens-Zeit. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass wenn Politiker dann zu Volksvertretern gewählt werden, feststellen, dass Sie ihr ursprüngliches Versprechen gegenüber den Wählern nicht oder nicht in der ursprünglich kommunizierten Form umsetzen können. Welch Überraschung! Das Erstaunlichste kommt aber erst jetzt: Die Wähler haben aufgrund ihrer Erfahrung damit gerechnet, dass das oder die Versprechen so nicht gehalten werden und sind bei Nichteinhalten auch gar nicht enttäuscht.

Viel versprochen, nichts gehalten – ist ein wenig wie Dichtung und Wahrheit.

Was heißt das? Entweder ist es unabhängig vom Wahlversprechen, wen der Wähler letztlich wählt oder das Wahlversprechen hat für ihn keine so große direkte persönliche Bedeutung oder keinen (so großen) Vorteil. Wären sich Politiker dessen stärker bewusst, würden Sie diese Versprechen dann weglassen? Ich kann es nicht einschätzen. Interessant ist, dass nach der Wahl auch Oppositionspolitiker mit den ursprünglichen Wahlversprechen der dann Regierenden verhaltener umgehen, weil sie sich immer mit der Aussage konfrontiert sehen, dass auch ihre Versprechen nicht haltbar waren. Zwar sind alle Themen und Versprechen von großer wirtschaftlicher Bedeutung, aber wichtig ist, dass neben vielen elementaren Faktoren auch der soziale Frieden, eine sehr gute Infrastruktur und die Qualifikation der Arbeitskräfte gegeben ist bzw. auf einem hohen Qualitätsniveau bleibt. Denn das sind, wie die Redakteure Axel Schrinner und Hans C. Müller im Handelsblatt vom 06. Juni 2013 schreiben, die Faktoren, die jeweils einen Standort für ausländische Investoren äußerst attraktiv machen. Und das ist für die Politiker wichtig, für die Bürger allerdings auch, da sie es direkt in ihrem Geldbeutel spüren können.

Wie verlässlich sind die Versprechungen und Ankündigungen im Verbraucherschutz?

Versprechen sind durchaus ein Bestandteil des Verbraucherschutzes. Neben den Gesetzten, die z.B. Leben und Gesundheit der Bürger schützen sollen gibt es Garantien und auch Versprechen, allesamt Elemente die Vertrauen sichern sollen. Was würde geschehen, wenn man Rahmenbedingungen des Verbraucherschutzes auf Wahlen übertragen würde? Darf dann der Wähler, wenn er einen Politiker wegen eines bestimmten Wahlversprechens gewählt hat, was dieser dann nicht gehalten hat, die eigentlich gegebene Stimme entziehen?

Wie sehen denn Versprechen in anderen Berufsgruppen aus, zum Beispiel bei einem Fußballtrainer? Ich finde die agieren mit Versprechen viel vorsichtiger, was das Erreichen von Ergebnissen angeht. Kein Wunder, schließlich spielen sie ja auch nicht mit, sondern legen vor jeder Halbzeit nur die Strategie und Taktik ihrer Mannschaft neu fest. Aber auch wenn Sie kein Spielergebnis versprechen und zu diesem Thema (vielleicht auch aus Aberglaube) immer recht vorsichtig sind, gibt es einen Punkt, den sie immer – insbesondere vor Spielen – versprechen, nämlich, dass es ein spannendes Spiel geben wird. Das haben Sie zumindest teilweise noch in der Hand, sofern Sie „ihre Jungs“ vor dem Spiel entsprechend motivieren können. Ein Sieg kann der Trainer, wenn er es ehrlich meint, nicht versprechen, aber Leistungsbereitschaft. Die Leistung und Leistungserbringung wird damit öffentlich, also kann der Trainer auch nur das Versprechen, was dann von der Öffentlichkeit, also dem Zuschauer überprüft werden kann. Ein Nichthalten hat ja auch für den Zuschauer keinen finanziellen Nachteil. Er hat sein Eintrittsticket so oder so bezahlt, nur er verspricht sich zum Zeitpunkt des Kartenkaufs etwas, das auch unter Umständen, wie er nach dem Spiel merkt, nicht gehalten werden kann. Die Auswirkung für den Zuschauer ist – abhängig vom Kartenpreis – gering, das Nichteinhalten des spannenden Spielversprechens überschaubar, wenn auch manchmal sehr emotional.

Umso stärker dagegen jeder Einzelne von Versprechen direkt in seiner Gesundheit oder in Bezug zu seinem Vermögen betroffen ist, desto stärker wird er auch durch Gesetze geschützt, wie zum Beispiel  durch die im Lebensmittelgesetz verankerten Grundsätze. Versprechen gehen über die Basis des Gesetzes hinaus und bilden beim wiederholten Einhalten die Grundlage für Vertrauen. Unsere Bundeskanzlerin räumte unlängst bei Deutschen Verbrauchertag ein, dass das Vertrauen durch die Lebensmittelskandale und Finanzkrise gelitten habe. O.K., ich gebe zu, dass es schwer zu erkennen bzw. sofern es überhaupt auf der Verpackung steht verständlich ist, welche Substanzen in den Lebensmitteln verarbeitet werden. Aber auch Hans Eschbach schreibt im Handelsblatt vom 04. Juni 2013 davon, dass Sicherheit beim Verbraucherschutz im Spannungsverhältnis zur Freiheit steht. Trotz notwendigem Schutz vor Kriminalität muss der Verbraucher seine Freiheitsrechte selbst wahrnehmen, ich denke das steht außer Frage.

„Des Kaufmanns Ehre ist die Einhaltung des gegebenen Wortes“

Vom Verbraucherschutz auch immer stark angegriffen ist die Gruppe der Vermögens – Anlageberater. Ihnen wird ja teilweise zu Recht (?) vorgeworfen, dass sie ihre Kunden in der Vergangenheit falsche Versprechen abgegeben haben, was Rendite oder Risiko vorgeschlagener und anschließend auch gekaufter Anlageprodukte angeht. Warum? Liegt es daran, dass die Incentivierung der Berater trotz richtiger gesetzlicher Rahmenbedingungen augenscheinlich nicht richtig ausgestaltet war? Wie im wahren Leben – so glaube ich – liegt die Wahrheit zwischen Berater und Kunden und damit in der Mitte. Zum einen muß es gesetzliche Regelungen geben, die Folgen kriminelle Handlugen regeln. Das steht außer Frage. Zum anderen hängt die Güte der Beratung in einem weiteren Schritt doch immer auch von der Incentivierung des Beraters ab. Von der Seite her sollte der Berater ausschließlich für die Beratung eine Provision bekommen. Das erhöht den Anreiz neutral zu sein, wenn man sicherstellen kann, dass er nicht doch – heimlich – von einer Produkt emittierenden Partei zusätzlich motiviert wird, bestimmte Produkte anzubieten. Erspart die Beratungsprovision nicht die teilweise sehr aufwendigen viele Papierstapel-Zentimeter umfassenden Beratungsprotokolle? Diese Beratung hat ja auch unabhängig davon, was rauskommt, ja einen Wert und diese sollte auch bezahlt werden. Betrachten wir auf der anderen Seite den Verbraucher: Warum kauft er Produkte, die er nicht versteht? Warum setzt er sich zum Teil nicht ähnlich intensiv damit auseinander, wie bei der Zusammenstellung der Extras für sein nächstes Auto? Renditeversprechen, die bei klarem Nachdenken nicht erzielbar sind…., warum setzt da nicht sein Zweifel ein? Zugegebener Maßen hat sich die Anzahl der Anlageprodukte in den letzten Jahren deutlich erhöht, aber zum Kauf gezwungen werden muss niemand, wenn der interessierte Anleger die Produkte nicht versteht. Wirkt das Potential der Rückabwicklungsmöglichkeit von Anlagetransaktionen alleine von den Rahmenbedingungen her nicht auch wenig wie der Umgang mit unmündigen Verbrauchern? Ich glaube, daß das Versprechen der Anlageberater mit der richtigen Incentivierung in einem hohen Maß sichergestellt werden kann!

Die bislang nicht regulierten Märkte, wie zum Beispiel geschlossene Beteiligungsfonds werden ab dem Sommer 2013 durch  neue gesetzliche Rahmenbedingungen geregelt. Grundlage ist die sogenannte AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Fund Manager-Richtlinie). Damit wird sichergestellt, dass das Verhalten der Investmentverantwortlichen Anlegerkonform ist. Der Investmentmanager wird in seinem Tun deutlich stärker überwacht. Trotz dieser rechtlichen Rahmenbedingungen, die man aus meiner Sicht nur begrüßen kann, gibt es im Rahmen der Manager-Auswahl selten ein Renditeversprechen. Der Manager würde sich auch schwer tun ein solches in seriöser Form abzugeben, da er z.B. auf die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Auswirkung auf seinen Fonds nicht beeinflussen können. Aber dennoch gibt es Incentive – Strukturen, die seine Leistungsbereitschaft klar erkennen lassen: Nämlich dann, wenn er auch nur bei Erfolg des Fonds für sich einen Gewinn generiert. Damit kann er, was er auch tut, leicht versprechen, dass Beste für den Fonds und damit auch für den Anleger zu tun. Das schafft Vertrauen und erleichtert die Anlageentscheidung!

Zum Schluss möchte ich auf ein Versprechen eingehen, dessen Nichtnachprüfbarkeit wieder in Mode kommen wird und so herrlich nostalgisch sein kann. Ist das nicht schön, dass oftmals nichtbeeinflussbare Rahmenbedingungen dafür sorgen, ob Versprechen eingehalten werden (können): Früher hat man es gerne auf die Post geschoben, wenn bestimmte versendet wichtige Informationen oder Dokumente nicht ankamen, auf die der Empfänger so dringend wartete. Beim Technologiesprung zum Fax wurde es schon schwerer, und im Internetzeitalter fast unmöglich. Auch die Staus auf den Datenautobahnen, die wohl zukünftig dazu führen, dass das Transportieren von Informationen länger dauern wird, bringen keine Ausrede und sorgen dafür dass das Einhalten von Versprechen unverändert leicht kontrolliert werden kann. Aber deutlich komfortabler wird es für viele zukünftig, die aufgrund des Datenspähens aus „Sicherheitsgründen“ wie in der guten alten Zeit wieder Briefe schreiben, damit auch nur der Empfänger den Inhalt liest. Versprechen lassen sich dann wieder, wenn Sie nicht mit UPS oder ähnlichen Kurieren unterlegt sind, an dieser Stelle nicht so leicht auf ihre Einhaltung überprüfen.