Die eigene Meinungsbildung zu Anlageklassen: Was „große Bilder“ nicht erkennen lassen (wollen)

Kennen Sie das? Sie wollen sich zu einem Thema eine Meinung bilden und lesen dazu Artikel in Zeitungen und Zeitschriften und sind danach nicht unbedingt schlauer als zuvor? Höchstens verunsicherter? Mir geht es das oft  auch so, insbesondere am Anfang meiner jeweiligen „Wissens-Bemühungen“. Ich gebe zu, dass es auf der anderen Seite als Artikelschreiber schon schwer ist, bei einer vorgegebenen Anzahl von Zeichen alle Betrachtungswinkel zu einem Thema mit in die Zeilen zu zwängen.

Nun ist es aber auch so, dass man Artikel zu Themen liest, in denen man sich inhaltlich ganz gut auszukennen glaubt. Dann stellt man als „Fachmann“  leider häufig erschreckend fest, dass vom Autor sehr plakativ argumentiert wird und das sogenannte „große Bild“ zu einem Thema bzw. einer Überschrift von der „Bildauflösung“ her deutlich zu grobkörnig ist. Wichtige Einzelheiten werden durch die Grobrasterung ausgeblendet. In der Photographie ist das nicht anders. Das kann natürlich an einer gewissen Meinungsbildung liegen oder der Tatsache geschuldet sein, dass man als Artikelschreiber einen Meinungstrend gerne „unterstreichen“ will – oder auch nicht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich am Willen fehlt oder an der teilweise doch notwendigen aber fehlenden Recherchearbeit und -zeit.

Beteiligungskapital in der Presse

So sind allein in den letzten Wochen wieder einmal zum Thema Beteiligungskapital einige Artikel in den Wirtschafts- und Fachmedien erschienen, auf die ich doch gerne einmal eingehen möchte. Nicht auf die Ausführungen als solche, aber auf die wesentlichen drei Thesen. Hervorzuheben sind aktuell insbesondere Aussagen zu der Anzahl der Deals im Markt, die Bedeutung des Fremdkapitals bei Transaktionen und nicht zuletzt der ständige Vergleich mit Aktien als Anlagealternative.

These 1: Anzahl der Deals im Beteiligungsmarkt

Gerne berichtet man immer wieder von den großen Transaktionen in der Beteiligungsindustrie. Vielleicht liegt es daran, dass der Leser vielleicht auch die damit verbundenen großen Unternehmen kennt und deshalb eher den Artikel liest. Natürlich sind sogenannte „Mega-Deals“ (Transaktionen mit einem Eigenkapitalanteil von über 300 Mio. € pro Transaktion) sehr selten. Meiner Recherche nach gab es im vergangenen Jahr in Europa nur 11 solcher Transaktionen. Liest man dann von fehlenden Kaufgelegenheiten der Beteiligungsgesellschaften, dann empfiehlt es sich auch darauf zu verweisen, welche Transaktionsgrößenklasse dies betrifft. Denn im Segment der kleineren Transaktionen (Transaktionswert bis 50 Mio. €) wurden allein in Europa letztes Jahr knapp 3.500 Transaktionen durchgeführt, davon rund 500 in Deutschland.

Quelle: Thomson Reuters Small Cap M&A Review 2012

Neueste Daten von mergermarket zeigen in Deutschland für das erste Quartal 2013 tatsächlich im Segment bis zu einem Transaktionsvolumen von 500 Mio. € einen Rückgang um knapp 25% auf 183 Transaktionen. Was hat das mit einer „schwierigen Schnäppchenjagd“ zu tun? Zumindest im kleinen Transaktions-Segment, gibt es trotz des Transaktions-Rückgangs noch genügend Beteiligungsopportunitäten. Des Weiteren stellt sich bei dieser These die Frage nach der Aussagekraft einer solchen Meldung. Das Beteiligungsgeschäft ist ein langfristiges Geschäft mit Fonds-Investitionsdauern von ca. 6 Jahren. Ist es denn nicht wichtiger, sich statt des Augenblicks das Potential an zu erwerbenden Gesellschaften anzuschauen? Ich denke auch hier kann man die Faustformel ansetzen, umso größer die Grundgesamtheit, desto größer auch das Investmentpotential. Und das ist halt einmal bei kleineren mittelständischen Unternehmen deutlich größer als bei Großunternehmen. Und das nicht nur in deutschsprachigen Raum.

These 2: Bedeutung des Fremdkapitals bei Transaktionen

Ungeachtet der Tatsache, dass man derzeit sehr Unterschiedliches über die Fremdkapitalausstattung von Transaktionen liest, kann man doch sagen, dass sie zwar unverändert wichtig ist. Aber entscheidend für den Fondsinvestor ist doch zunehmen die Tatsache, dass die Beteiligungen operativ weiterentwickelt werden und nicht durch die Kaufpreis-Fremdfinanzierungs-Entschuldung ihre Wertsteigerung erfahren. Die Aussage, dass Fremdkapital wegen der zunehmenden Restriktionen der Banken immer weniger für Übernahmen bereitgestellt wird und daher Transaktionen nicht zustande kommen, kann ich an dieser Stelle nicht bestätigen.

These 3: Vergleich des Beteiligungskapitals mit Aktien als Anlagealternative

Ein besonders beliebtes Thema ist der Vergleich von Beteiligungskapital als Anlageklasse mit Aktien. Ich weiß gar nicht, warum man immer so oft von Entweder-Oder-Entscheidungen  spricht. Aus meiner Sicht ist Beteiligungskapital eine Ergänzung zum Aktienbestand. Warum? Nun, allein aus der persönlichen Liquiditätsplanung ist die Aktie schneller realisierbar. Hingegen sind die Bewertungsparameter zwar nicht abgekoppelt von der Wirtschaftswelt, aber die Bewertung von Portfoliounternehmen der Beteiligungsgesellschaften spiegelt nicht unbedingt die Börsenbewertung wider, zumindest bei kleineren Transaktionen ist das so und auch wunderschön. Die Bewertungs-Vergleichsdaten werden aus aktuellen M&A-Transaktionen abgeleitet und nur bei großen Beteiligungen auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses börsennotierter Gesellschaften gemessen. Das ist auch gut so und auch das erklärte Ziel. Mit Beteiligungskapital im Vermögensportfolio nimmt man verstärkt eine Glättung durch die Bewertungsvolatilität „nervöser Börsentitel“ vor.

Zudem ist es doch auch von der Renditegenerierung her ein anderer Ansatz, da man gerade im nicht-börsennotierten Beteiligungsgeschäft Insiderwissen und Informationsineffizienzen für sein Portfolio nutzen kann. In Kombination mit einer langfristigen nicht auf Quartalsberichten ausgelegten Weiterentwicklungsstrategie verwundert es nicht, dass sehr viele Beteiligungsgesellschaften mit ihren Portfolios bessere Renditen erzielen als von der Unternehmensgröße und Branchenfokussierung vergleichbare börsennotierte Gesellschaften.

Fazit: Große Bilder mit grobem Raster

Was kann man zusammenfassend festhalten? Auch gegenüber Artikeln zum Thema „Beteiligungskapital“ sollte man nicht zu leichtgläubig begegnen. Es zeigt sich, daß „große Bilder“ zu Themen oftmals aufgrund ihrer Rasterung wichtige Details verschwinden lassen. Das ist nicht schlimm, aber es ist gut, wenn man sich dessen bewusst ist.