Erfolgsrezept Clustermanagement

Die Verknüpfung von Unternehmen in Kooperationen und Netzwerken ist historisch betrachtet keine Innovation der letzten Jahre. Seitdem es Unternehmen gibt, existieren Unternehmenskooperationen und Unternehmensnetzwerke.  Der Begriff „Cluster“ wurde schon zu Zeiten der Gebrüder Grimm in der deutschen Sprache gebraucht. Hier wird ein „Kluster“ als ein „Klump von Früchten“ beschrieben, „was dicht und dick zusammensitzet“. Im Englischen steht der Begriff „Cluster“ ebenfalls für Trauben und Haufen bzw. Ballung. Heute ist der Begriff als Anglizismus in die deutsche Sprache eingegangen. Michael E. Porter, US-amerikanischer Ökonom und Universitätsprofessor für Wirtschaftswissenschaft am Institute for Strategy and Competitiveness an der Harvard Business School, rückte den Begriff „Cluster“ in seiner Veröffentlichung „The Competetive Advantage of Nations“ (1990) neben diesen Zusammenschlussformen ins fachöffentliche Interesse der Raum- und Wirtschaftswissenschaften.  Als das bekannteste und am meisten zitierte Cluster gilt das IT- und Hightech Cluster Silicon Valley in San Francisco.

 

Cluster, das sind räumliche Konzentrationen von miteinander vernetzten Unternehmen und Institutionen entlang einer Wertschöpfungskette, stellen für Unternehmen und Regionen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dar. Besonders die Steigerung der Produktivität, die Verbesserung der Innovationskraft sowie die Stimulation von Unternehmensgründungen werden als Wettbewerbsvorteil eines Clusters angesehen.

Zu Beginn der Globalisierung glaubte man, dass durch die neue Freizügigkeit der Standort eines Unternehmens unwichtig wird, weil er jederzeit überall hin verlagert werden kann. Aber das Gegenteil ist eingetreten: Durch die Gegenbewegung der Regionalisierung hat der Unternehmens-Standort eine neue Wichtigkeit erlangt. Alles, was ein Unternehmen global einkaufen kann, ist auch für seine Konkurrenz zugänglich. Wettbewerbsvorteile für Unternehmen ergeben sich zusätzlich durch die Nähe und Fühlungsvorteile zu anderen Unternehmen am Standort. Heute sind erfolgreiche Unternehmen eingebettet in Standorte, deren besondere Wettbewerbsfähigkeit sich auf ein einmaliges System regionaler Fähigkeiten und Talente stützt. Oft haben sich diese Fähigkeiten über eine lange Zeit hinweg entwickelt. Der Unternehmensmix vor Ort hat über diesen Zeitraum eine eigene kollektive Intelligenz entwickelt – er ist ein eigener „Superorganismus“ mit eigenen Spielregeln – genannt Cluster.

Warum Cluster und Netzwerke?
Unternehmen, die den Vorteil haben, in Clusters oder auch Wirtschaftskernen arbeiten zu können, weisen eine 10 bis 40 Prozent höhere Produktivität auf als ihre isolierten Konkurrenten. Eine Studie des Forschungsinstitutes für Regional- und Clustermanagement zum Kunststoff-Cluster Deutschland zeigt die Fakten hierzu auf. Zwischen 1999 und 2007 hatten demnach Unternehmen der Kunststoffbranche in Clustern eine Entwicklung, die rund 20 Prozent mehr Wachstum erzeugt hat als an weniger talentierten Standorten.

Die Kunststoff verarbeitende Industrie ist mit einem Jahresumsatz (2014) von etwa 59,0 Mrd. € (+2,6%) und 311.000 Beschäftigten in über 2.866 Betrieben (+0,6%) gegenüber 2013 einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Die vorwiegend mittelständisch geprägte Branche zeichnet sich durch hohe Innovationskraft und eine vielfältige Produktpalette aus. Die Kunststoffe werden zu ganz unterschiedlichen Produkten verarbeitet. Verpackungen, technische Teile für die Elektro- und Automobilindustrie sowie Produkte für die Möbel-, Bau- und Freizeitindustrie sind typische Erzeugnisse dieses Wirtschaftszweiges.

Beweggründe für Cluster-Bildungen sind dabei vielfältig:

  • Zugang zu wesentlich größeren Absatzpartnern durch horizontale Kooperation, insbesondere bei relevanten Größenunterschieden zwischen Kunden- und Lieferantenorganisation.
  • Regelmäßige informelle Trendinformationen aus der Branche.
  • Kontakte zu führenden Forschungseinrichtungen.
  • Notwendigkeit zu „physischer“ Vernetzung trotz fortschreitender Informationstechnologie und Internet.
  • Minimierung von Lager- und Zwischenfinanzierungskosten (z.B. mittels „Just-in-time“-Produktion) und effizientere Qualitätssicherung durch vertikal durchgängige Produktionsplanung.
  • Hochspezialisierte Zulieferer als „Wettbewerbsvorteil vor der Haustür“. Diesen Vorteil  kann die Konkurrenz nicht im gleichen Maße nutzen.
  • Steigerung des Bekanntheitsgrades durch die Marketing-Aktivitäten von Cluster-Initiativen der regionalen Wirtschaftsförderung.
  • Schneller und kostengünstiger Zugriff auf Komplementärtechnologie und -produkte für das eigene Angebot. Innovationsfähigkeit von Unternehmen erfordert neben der Spezialisierung auf Kernkompetenzen auch mehr Komplementärfähigkeit.
  • Senkung von Entwicklungskosten, Sicherung der Innovationsfähigkeit und Erzielung von Know-how-Gewinnen durch gemeinsame Produktentwicklungen.
  • Kostenvorteile durch gemeinsame Nutzung von Fertigungs- und/oder Lagerkapazitäten sowie von EDV-/Verwaltungssystemen.
  • Förderung und Forderung von Kooperationen zwischen Unternehmen, Hochschulen, Ministerien und Expertenorganisationen durch politische Institutionen und Auftraggeber.
  • Steigerung der strategischen Flexibilität und Antwort von kleinen und mittleren Unternehmen auf Wachstumsstrategien großer Wettbewerber.

Die Netzwerke bilden dabei relativ stabile Kooperationsstrukturen, die für alle Partner  Vorteile bieten.

Erfolgsfaktoren zur Netzwerkentwicklung
Die nachhaltigen Wettbewerbsvorteile einer globalen Wirtschaft liegen zunehmend in den lokalen Gegebenheiten: Wissen, Beziehungen und Motivation. Diese drei Aspekte sind mit als Leitgedanken für die Bildung erfolgreicher Netzwerke anzusehen.

ALLISTRO CAPITAL arbeitet mit Branchenspezialisten in vier Zukunftsbranchen zusammen, die jeweils über ein sehr lange und erfolgreiche Erfahrung und über ein ausgezeichnetes Netzwerk verfügen. Dazu gehört u.a. das Medial Valley Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN) in Erlangen, das zu den Gewinnern im Spitzenclusterwettbewerb (SCW) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gehörte. Für den geplanten Aufbau eines „internationalen Innovationssystems der Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft“ hat das Medical Valley EMN als einer von elf Gewinnern im Rahmen der Fördermaßnahme „Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken“ den Zuschlag des BMBF bekommen. In den nächsten fünf Jahren fließen bis zu vier Millionen Euro Förderung in die Region.

Ziel des Spitzencluster-Wettbewerbs ist es, die leistungsfähigsten Cluster auf dem Weg in die internationale Spitzengruppe zu unterstützen. Durch die Förderung der strategischen Weiterentwicklung exzellenter Cluster soll die Umsetzung regionaler Innovationspotentiale in dauerhafte Wertschöpfung gestärkt werden. Dadurch sollen Wachstum und Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen und der Innovationsstandort Deutschland attraktiver gemacht werden.

Beeindruckende erste Bilanz
900 Innovationen, 300 Patente, 450 Dissertationen und Habilitationen, 1000 Bachelor- und Masterarbeiten und 40 Unternehmensausgründungen sind eine erste positive Bilanz. Die aktuelle Studie, die unter der Federführung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und seiner Partner, dem Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH Köln (ISG), dem Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre/ Mikroökonomik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der JOANNEUM RESEARCH GmbH Graz erstellt wurde, unterstreicht, dass der Spitzencluster-Wettbewerb ein besonders erfolgreiches Instrument der Innovationsförderung ist, langfristig den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland sichert und direkte Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wohlstand hat. Diese gesamtwirtschaftlichen Effekte werden sich in den nächsten Jahren weiter entfalten.

Vernetzung und Strahlkraft entscheidend
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Spitzenclusterwettbewerb ist laut der Studie des RWI die enge Vernetzung der regionalen Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft. Durch die eng verzahnte Kooperation zwischen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen entstehen zahlreiche Innovationen, die sich im globalen Wettbewerb behaupten können.
Zudem steigert der Spitzenclusterwettbewerb das Ansehen im Ausland und befördert internationale Kontakte zu anderen Forschungsregionen. Dies erleichtert nicht zuletzt die Anwerbung von Fach- und Nachwuchskräften: Die Spitzencluster verzeichnen bereits heute einen Zuwachs an gut ausgebildeten „High Potentials“, die ihre Ideen in Innovationen umsetzen.

ALLISTRO CAPITAL ist auf die vier Zukunftsbranchen Chemie, Kunststoff/ Kunststofftechnik, Medizintechnik und die Sicherheitsindustrie fokussiert und verfügt über eine gute Verbindung zu Spitzenclustern in diesen Bereichen. Diese spiegelt sich u.a. in der engen Zusammenarbeit mit Industrieexperten bei der Identifikation, Prüfung und Weiterentwicklung attraktiver Investmentmöglichen im deutschsprachigen Raum wider.