Fördern lebenslange Lehrlizenzen der Beamten den Wohlstand einer Volkswirtschaft?

Wer seine Erfindungen und zum Patent angemeldet hat und Lizenzen vergibt verfügt über technologisches Know-how und eröffnet sich Einnahmequellen. Das ist auch zukünftig einer der wesentlichen Wirtschafts- und Wettbewerbstreiber einer Volkswirtschaft. Doch es reicht nicht aus, erst durch Unterstützung von Inkubatoren oder Business-Angeln Innovationen junger, kreativer Ingenieure marktfähig zu machen. Diese begabten Tüftler müssen erst einmal ihre Fähigkeiten entdecken und Spaß an diesen haben. Und sie müssen gefunden werden. Daher schaut man bei der Betrachtung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit mittlerweile schon über diesen Tellerrand hinaus und fordert in vielen Ländern eine „Bildungsrepublik“ als Lösung. Insoweit muss man einmal die Kette derer, die an der Lehre und Ausbildung beteiligt sind, in die Diskussion mit einbeziehen. Dann wird man sehen, dass insbesondere die lebenslange Lehrlizenz des „Beamtenstatus“ im Bildungssystem einen größeren Einfluss auf den zukünftigen volkswirtschaftlichen Wohlstand hat, als man bislang dachte.

Zukunftspotenzial Patente

Schaut man zuerst auf die klassische Regelung des Lizenzgeschäfts, bietet sie allen Beteiligten, wenn sie sich an die Vereinbarungen halten, nur Vorteile. Innovationen werden unterlegt mit Urheberrechten bzw. Patentschutz auch Dritten zur Verfügung gestellt, Lizenzgebühren können dabei  – abhängig von der Ausgestaltung für den Lizenzgeber – sehr attraktiv sein; der Lizenznehmer hat den Vorteil, dass er an eigenen Entwicklungen oder Produktionen mit neuen technischen Errungenschaften in seiner eigenen Wertschöpfungskette vielleicht einen Schritt vorwärts kommt und weitere Produkt- oder Wettbewerbsvorteile generieren kann. (Technischer) Patentschutz fördert den Schutz geistigen Eigentums und damit die Innovationsbereitschaft einer Volkswirtschaft.

Quelle: OECD

Abbildung 1: Internationale Patentanmeldungen im Zeitvergleich – weitere Informationen siehe auch auf der Webseite des Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Aber bis dorthin muss ein Land erst einmal kommen, denn den potentiellen Innovatoren gilt es erst einmal die Begeisterung am Lernen, Forschen und Ideengewinnen von frühen Kindesbeinen an zu vermitteln, sofern man diese Motivation in einem Höchstmaß mit zukünftigem Erfolg verknüpfen möchte.

Die Entdeckung, Begeisterung und Förderung von Fähigkeiten steht dafür somit erst einmal im Vordergrund! Innovation wird oft mit wirtschaftlicher Expertise verbunden, so dass auch immer mehr Business-Angels den wirtschaftlichen Teil der Innovationsentwicklung unterstützen. Das ist sehr hilfreich, aber auch hierzu bedarf es erst einmal der Grundlagenbildung und Entwicklung solcher beispielsweise technischer Fähigkeiten. Wie man der Tabelle in Abbildung 1 entnehmen kann, ist der internationale Innovationswettbewerb, gemessen in Patentanmeldungen, doch sehr dynamisch und zeigt, in welchem Maß und in welcher Umsetzungsgeschwindigkeit wohl auch technologisches Grundlagenwissen zwischenzeitlich in einzelnen Ländern vermittelt wird.

Werden die Hochschulen ihrem Auftrag bei der Entwicklung von Innovationen nach?

Dafür gibt es ja Universitäten und Hochschulen und entsprechende Professoren. Diese bieten Plattformen für Innovationsentwicklungen, sei es durch Grundlagenforschung oder gemeinsame, mit den Studenten durchzuführende Forschungsprojekte. Man kann darüber streiten, ob die Professoren zur Ausübung ihrer Tätigkeit dabei unbedingt verbeamtet sein müssen, also eine lebenslange Lehrlizenz innerhalb des Bildungssystems benötigen. Ohne hierbei in das Beamtenrecht eintauchen zu wollen stellt sich mit dieser Betrachtung die Frage, ob Professoren in ihrer Lehre und Forschung besser sind bzw. motivierender auf Studierende einwirken, wenn Sie verbeamtet sind? Nehmen wir den aus meiner Sicht leichteren Teil der Betrachtung gleich vorweg:  Hinsichtlich Ihrer Forschungsergebnisse sind sie als Beamter vor arbeitsrechtlicher Willkür geschützt, da die Forschungsergebnisse nicht immer allen Beteiligten – auch Auftraggebern, wie zum Beispiel Bundesländern – passt.

Forschungsfreiheit, insbesondere die Freiheit in der Entwicklung von Forschungsergebnissen, würde einen Beamtenstatus rechtfertigen lassen. Hierzu könnte man noch viele weitere Aspekte mit in die Betrachtung ziehen, wie zum Beispiel die Frage, warum im internationalen Vergleich viele renommierte Universitäten und Professoren ohne den Beamtenstatus als Rahmenbedingung äußerst erfolgreich sind, aber das führt mich zu weit vom Eigentlichen ab. Fest steht auf jeden Fall, dass die Lizenz „Beamter“ im Bildungssystem für Professoren durchaus sinnvoll sein kann. Studenten haben zudem die Wahl, sich Fächer und damit auch Professoren einzelner Disziplinen aussuchen zu können. Sie müssen damit nicht zwangsweise unter fehlender Qualität und fachlicher Kompetenz der Lehrenden  leiden.

Aber wie sieht es denn eine Ausbildungsstufe früher aus, das heißt bei Lehrern z.B. von Grundschulen und Gymnasien? Lehrer haben im Vergleich zu Professoren keinen Forschungsauftrag! Lehrer begleiten Schüler in der wichtigsten Entwicklungsphase ihres Lebens. Sie haben damit eine sehr hohe Verantwortung, nicht nur gegenüber den Schülern und Eltern, sondern auch gegenüber der Gemeinschaft. Aufgrund der vielfach genannten hoheitlichen Aufgabe, ist die Mehrheit der Lehrer verbeamtet zumindest an den Staatsschulen. Das ist zwar aus Sicht der einzelnen Bundesländer nur die halbe Wahrheit, da sie für im Beruf befindliche Lehrer keine Sozialabgaben zeitgleich „in die Hand“ nehmen müssen und damit zunächst einmal Liquidität einsparen, aber belassen wir es bei diesem Punkt.

Was ist denn das Entscheidende? Wichtig ist doch, dass die Lehrer mit höchstmöglichen Einsatz Kindern und Jugendlichen Spaß am Lernen, Forschen und Entdecken geben. Und das nicht nur zu Beginn Ihrer Berufslaufbahn. Eine von Bund und Ländern neu ins Leben gerufene „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ gilt auch nur für die jetzt Studierenden.

Aber wem helfen solche Qualitätsprogramme, wenn Sie nur für neue Lehrer eingesetzt werden sollen? Zum einen ist auch hiermit nicht sichergestellt, dass Sie auf Dauer für diesen Beruf geeignet sind. Zum anderen stellt sich die Frage, was denn mit den schon seit vielen Jahren im Lehrerberuf stehenden Personen ist? Gilt es nicht, diese auch durch Personen prüfen zu lassen, die selbst eine solche, aktuelle durchgeführte Eignungsprüfung als Prüfer selbst haben durchlaufen müssen? Was geschieht denn   zum Beispiel in der Praxis, wenn sich fast ein ganzes Lehrerkollegium zum Beispiel einer kleineren Schule nicht eingestehen oder selbst sehen will, dass es eigentlich nicht die richtigen Lehrerfähigkeiten (mehr) mitbringt oder neuen Lernformen verschlossen gegenübersteht? Wozu führt das, wenn aus einem solchen Lehrerkreis ein wirklich guter und sehr engagierter Lehrer an eine andere Schule abgeordnet wird, damit dieser im Kreis der „schwachen“ Lehrer nicht so stark positiv auffällt? Die Schüler der aufnehmenden Schule können sich in diesem Fall freuen, aber Lehrer-Qualitätsprogramme müssten auch Schulämter mit einbeziehen, die ja die einzelnen Schulen und auch die in ihrem Beruf schon viele Jahre tätigen Lehrer, stärker kontrollieren.

Wie sinnvoll sind Beamten-Lizenzen im Bildungssystem?

Die „Beamtenlizenz“ kann an dieser Stelle hinderlich sein, da leistungsschwache Lehrer, wie man diese auch immer definieren möchte, dem Arbeitsmarkt nicht freigeben kann. Aber warum soll es da bei Lehrern im Gegensatz zu anderen Berufen Ausnahmen geben? Wenn ein Pilot nicht mehr zum Führen eines Flugzeugs geeignet ist, darf er auch nicht mehr fliegen und muss sich einen neuen Job suchen. Hier ist man mit der Eignungsprüfung streng und führt die Prüfung aller halben Jahre durch.

Verbeamtete Lehrer können stattdessen trotz fehlender Eignung weiterarbeiten und Kindern das Lernen wirklich vergraulen. Ohne Lernmotivation und dem Erkennen eigener Stärken der Schüler sollen kreative Köpfe entstehen? Ja, das passiert, zufällig, aber nicht in ausreichender Anzahl! Die wahren Potentiale werden „nicht gehoben“. Auf der anderen Seite können die Schüler ja auch nicht „fliehen“, da sie im Gegensatz zu Studenten nicht die Möglichkeit, sich ihre Lehrer selbst auszusuchen.

Man darf auch nicht übersehen, dass Schulen derzeit noch immer doppelt so viel Absteiger wie Aufsteiger produzieren. Dafür tragen auch die Lehrer eine Mitverantwortung. Denn vermeidliche Absteiger können frühzeitig eingefangen und bei entsprechendem Einsatz – nicht zuletzt der Lehrer – von dieser Spur gebracht und unterstützt werden.

Quelle: Bertelsmannstiftung

Abbildung 2: Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss in Deutschland

Sollten es diese angeblichen Absteiger auch nicht zu Forschern schaffen, so können sie auch eine Volkswirtschaft ausgestattet mit einer soliden Ausbildung unterstützen und einem Mangel an Fachkräften wenigstens zum Teil entgegenwirken. Das ist für den Einzelnen und die Gemeinschaft deutlich besser und vor allem zufriedenstellender, da es die Perspektive aller stark verbessert. Angebliche Absteiger, die aufgrund  nicht erkannter Fähigkeiten der Arbeitswelt fernbleiben, sind für alle eine unbefriedigende Situation und für jede Volkswirtschaft eigentlich auch nicht (mehr finanziell) tragbar. Die Abbildung 2 zeigt dazu den bedauerlichen Teil der immer noch hohen Schul-Abbrecher-Quote allein auf Hauptschulen in Deutschland.

Insgesamt betrachtet zeigt sich, dass zu vergebende Beamten – Lizenzen im Bildungssystem insbesondere bei Lehrern eine fehlende Triebfeder für eine dauerte Fort- und Weiterbildung darstellen kann, da sie bei einer Minderleistung nicht entlassen werden können. Wie lange man sich eine solche Vorgehensweise noch als Volkswirtschaft gönnen oder leisten kann, ist eine spannende Frage und bleibt vom Ergebnis her abzuwarten. Ich bin gespannt!