Gesundheitswirtschaft der Zukunft und die Herausforderungen an den Mittelstand

Was bringt die Zukunft für meine Gesundheit? Wie wird das Thema Gesundheit die Gesellschaft von morgen beeinflussen? Sind die Unternehmen innovativ genug, um den zukünftigen Herausforderungen begegnen zu können. Mit diesen und weiteren Fragen hatten wir uns in der letzten Ausgabe unseres Themenbriefes beschäftigt. Und: dieses Thema lässt mich einfach nicht los. Wie auch? Die Wirtschaftsmedien berichten immer wieder von fantastischen Applikationen, Technologien und Erfindungen. Zuletzt ging die WirtschaftsWoche in ihrer Ausgabe 37 vom 8.9.2013 auf das Thema ein. „iPhone auf Rezept“ titelt die Top-Story. Beschrieben wird wie Apple, Google und Co. die Ärzte, Pharmakonzerne und Versicherer angreifen, um den Menschen dabei zu helfen, gesünder zu leben und Krankheiten zu besiegen. Diesen Artikel sollte man gelesen haben.

Wie sehen die Ideen und Innovationen aus? Apple will zum Beispiel das neue iPhone 6 zur Schaltzentrale einer neuen digitalen Medizin machen. Eine auf dem Gerät vorinstallierte Applikation (App) mit dem Namen „Healthbook“ soll  alle Gesundheitsdaten der Benutzer sammeln. Pulsmesser, Schrittzähler, Pollen-Prüfer, Blutzuckermesser und andere Sensoren messen laufend wie es dem Benutzer geht. Nachschlagewerke erklären in einfacher Sprache Krankheitsbilder und geben Tipps, die dabei helfen sollen den eigenen Gesundheitszustand zu überwachen und somit gesunder zu Leben. Angereichert wird das Ganze dann mit Informationen und Anwendungen zur Ernährung, Ergebnissen von Labortests bis hin zu Röntgenbildern und anderen persönlichen Informationen – woher auch immer. Das Ergebnis: Ein absolut detailliertes und transparentes Bild vom Menschen.

Wo Apple aktiv ist, sind die anderen Spieler nicht weit.Google und die anderen Technologiekonzerne kontern mit unzähligen ideenreichen Start-ups, um ebenfalls am lukrativen Medizin- und Gesundheitsmarkt zu partizipieren.

Die Ideen hören sich erst einmal überzeugend an. Ob iSprung – einer App, die anhand der Körpertemperatur den richtigen Moment misst, um schwanger zu werden, dem Fress-Feind – eine App, die das Gewicht, die Ernährung, Schlaf, Bewegungen usw. registriert, die Haus-Arzt App, eine Video-Sprechstunde zwischen Arzt und Patient, zu der auch weitere Experten dazu geschaltet werden können oder eine Patienten-Kladde, auf der z.B. Chirurgen alle Befunde und Bilder des Patienten auf einer Datenbrille oder dem Smartphone sehen können.

Hinter all diesen Innovationen steht ein Businessplan, mit dem Geld verdient werden soll. Ich glaube schon, dass viele dieser Dienste eine Zukunft und einen Markt haben. Oft werden sie mit Risikokapital finanziert. Die Investoren hoffen auf eine Erfolgsstory mit hoher Rendite. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little werden der sogenannten Cybermedizin rosige Zeiten prognostiziert. Der Markt für die digitale Gesundheit soll von 61 Mrd. US$ in 2013 auf 233 US$ in 2020 wachsen. Besonders starkes Wachstum wird dabei in den Segmenten Tragbare Sensoren (Wearables) und Mobile Anwendungen (Apps) gesehen. Da entsteht in rasanter Geschwindigkeit ein Milliardenmarkt. Wo es Gewinner gibt, sind oft die Verlierer nicht weit. Die Pharmabranche, die Medizintechnikkonzerne und auch die Ärzte müssen sich daher über die Zukunftsfähigkeit ihrer traditionellen Geschäftsmodelle Gedanken machen und Antworten finden.

Eine der ganz großen Aufgabenstellungen liegt m.E. in der Datensicherheit. Wird diese Frage nicht nachhaltig und überzeugend beantwortet, können die digitalen Gesundheitshelfer noch so clever sein. Denn wenn durch Datenleck, Datenmissbrauch, Hackerangriffe oder Ausspionierung der persönlichen Daten das Vertrauen der Kunden zerstört wird, ist das digitale Gesundheits-Geschäft schneller gescheitert als gedacht. Es gilt daher harte Regeln und Grenzen beim Umgang mit den Daten zu setzen, um der Verlockung dubioser Geschäftemacher Einhalt zu gewähren.

Über Big Data, Spionage und Datenklau, Vertrauen und Innovationen im Mittelstand habe ich ja bereits geschrieben. Die Argumente gelten weiterhin.

3 Gedanken zu „Gesundheitswirtschaft der Zukunft und die Herausforderungen an den Mittelstand

  1. Hallo Dirk,

    deine Empfehlung hat mich neugierig gemacht und so habe ich mit die WiWo gleich gekauft und den Leitartikel gelesen. Wirklich der Hammer, welchen Einfluss so ein paar neue Apps auf einen tradierten Markt nehmen können (werden). Hoffentlich verschläft der deutsche Mittelstand diese Entwicklung nicht wieder und überlässt den amerikanischen Playern das Feld. Im Entwickeln sind wir nicht schlecht – im Marketing sind die Amerikaner cleverer. Als Blackberry User habe ich kaum eine Chance an eine gute Health-App zu kommen. Eine europäische Alternative gibt es nicht. Vielleicht muss ich mich zwangsläufig für ein Google oder Apple Handy entscheiden, um mich „gesund“ zu halten. Oder alternativ einfach mal auf meine innere Stimme hören, gesünder Essen, die Laufschuhe anziehen und ohne technischen Firlefanz durch den Wald rennen, bis ich mich wohl fühle.

    Gruß Niko

  2. Lieber Dirk,
    hört sich ja alles ziemlich spannend an. Allerdings bin ich auch überrascht, wie „leichtfertig“ wir Menschen unsere Gesundheit in Apps abbilden wollen. Der Mensch ist individuell und die Psyche spielt immer eine große Rolle. Kann man sie auch abbilden? Interessant finde ich ja, dass insbesondere Manager so leichtgläubig sind und mit bunten Bändchen durch die Gegend laufen, die die tägliche Bewegung und den Gesundheitsstatus überwachen sollen. Ich stelle mir schon die Frage, ob jemand in der Lage ist ein komplexes Unternehmen zu führen, wenn er nicht mal in der Lage ist auf seinen eigenen Körper zu hören.
    Ich bin gespannt wo die ganze Entwicklung hingehen wird und hoffe, daß wir weiter miteinander sprechen und gemeinsam aktiv sind. Denn ein gesunder Körper braucht auch einen gesunden Geist.
    In diesem Sinne viele Grüße
    Rainer

  3. Hallo Dirk,

    habe den Bericht nicht gelesen, ich kann mir das aber sehr gut vorstellen und spanne mal den Bogen zur Luftfahrtindustrie. Hier überwachen die etablierten Triebwerkshersteller welweit in grossen Kontrollzentren ihre Triebwerke und können somit jederzeit bei Problemen eingreifen. Ob es nun Temperaturen oder Drehzahlen sind, alles ist möglich.
    Das könnte ich mir beim menschlichen „Motor“ auch gut vorstellen, entscheidend dürfte hier die Microchip bzw. RFID Technik sein,die Platform Apple oder Android ist dabei zweitrangig.

    Grundsãtzlich hat Niko natürlich Recht mit seiner letzten Bemerkung – dennoch wird der ganze Firlefanz kommen und entweder zu einem neuen Statussymbol verkümmern oder die 3. Dimension im Gesundheitswesen einleiten.

    Gruß
    Jan

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