Mit richtigem Riecher, taffem Businessplan, seltenen Rohstoffen und mittelständischen Unternehmergeist nach ganz oben

Wer hat es in den letzten Wochen nicht wenigstens einmal selber gesehen, darüber gelesen oder gesprochen? Worüber? Über Heidi Klum und ihre Geschäftstüchtigkeit. Natürlich auch über ihre Jungs, die Juroren und die schönen Kandidatinnen. Nicht nur im Fernsehen, im Internet, in der Regenbogenpresse und in den Tageszeitungen sind die lobenden und kritischen Berichte zu finden. Nein, sogar in den Wirtschaftstiteln wie dem Handelsblatt wird über die erfolgreiche Unternehmerin berichtet. „Die Gelddruckmaschine der Heidi Klum“ oder „Bayer setzt auf schöne Geschäfte mit der Gesundheit“ lauten die Headlines. Heidi Klum hat es mit viel Geschick, Zielstrebigkeit und Unternehmertum an die Spitze geschafft. Und sie macht entschlossen weiter. Ob 2015 in der 10. Staffel dann auch noch die gleichen Partner auf den Chef- bzw. Jurorensesseln sitzen, ist noch nicht ganz klar.

Vom Creative Director Thomas Hajo und vom Stardesigner Wolfgang Joop gab es zwar ein erstes Kommittent vor laufender Kamera, aber so etwas kann sich – wie wir alle aus unserem Metier wissen – auch schnell noch einmal ändern. Bei dieser Personalentscheidung lassen wir uns überraschen ;-). Wir wissen auch, dass dort wo Erfolg ist, Neid und Missgunst nicht fehlen. So berichtet der Nachrichtensender n.tv  vom „Ausverkauf der Schönheit“ und das die letzte Staffel so frisch wie die Schuheinlage eines Marathonläufers war. Das lasse ich einfach mal unkommentiert stehen und betrachte lieber die Unternehmerin Frau Klum. Sie hat es mit ihrer Strategie und den richtigen Rohstoffen, ihren Mädchen, geschafft das Optimale aus dem Geschäft herauszuholen. Sie hat eine erfolgreiche Unternehmensgruppe aufgebaut, vermarktet sich, ihre Unternehmen und ihre Kunden, für die sie wirbt, höchst professionell. Ihr Vermögen wird, je nach Quelle, auf 50 bis 70 Millionen Euro taxiert und Visionen für die Zukunft hat sie auch. Das ist einen Applaus und auch einen Artikel in meinem Blog wert, um wirtschaftliche Bilanz zum Finale der 9. Staffel von „Germany’s Next Topmodel (GNTM)“ zu ziehen.

Die Gewinnerin heißt: Heidi Klum

Hinter Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“ steht die ONEeins Management GmbH. Das Kerngeschäft dieser 2010 gegründeten Agentur, die zu 100 Prozent der Heidi Klum GmbH & Co. KG mit Sitz im Rheinisch-Bergischen Odenthal gehört, ist die Vermarktung und Unterstützung der Models in ihrer Karriere. Die Firma übernimmt dabei Vertragsverhandlungen und -management, Buchungs- und Terminplanung, Reiseplanung oder Rechnungsstellung und bietet den Models und Künstlern eine breite Palette professioneller Dienstleistungen bei Fotografie, Styling, Steuerberatung, IT, Grafik-Design usw. Die Bilanzsumme dieses Unternehmens betrug im Jahr 2008 schmale 0,67 Millionen Euro, schon zwei Jahre später stieg sie auf 2,13 Millionen Euro und im Geschäftsjahr 2012 stand unter dem Strich eine Bilanzsumme von 4,55 Millionen Euro. So hat sich die Summe in nur vier Jahren mehr als versechsfacht.

Einer der großen Einnahmequellen liegt in der Vermarktung der Werbespots und Produktplatzierungen, mit der das Unternehmen Millionen schwere Umsätze macht. Diese Werbeformen nahmen in der letzten Staffel immerhin schon ein Drittel der Sendezeit ein. Eine Zumutung für jeden Zuschauer finde ich. Den hauptsächlich jungen Zuschauerinnen scheint es nichts auszumachen. Allein rund 50 Modemarken wie JustFab, Gina Tricot oder Skiny kamen laut Medienberichten in den Folgen bisher als Produktplatzierungen oder aufgelistet im Abspann vor.

Dazu kommt dann noch die „Eigenwerbung“ der Juroren und nicht zu vergessen: die Buchungen der großen Marken wie Opel oder L’Oréal u.v.m. Für einen Werbespot im Umfeld von GNTM mussten die werbetreibenden Unternehmen sehr tief in die Tasche greifen. Für einen 30 Sekunden Spot wurden im Februar dieses Jahres durchschnittlich 70.980 Euro berechnet. Tendenz steigend in Richtung Finale. Die Preise für TV-Spots hängen dabei von vielen Faktoren, wie Sendezeit, Programmumfeld usw. ab. Heidi Klums Konzept scheint alle diese Faktoren zu erfüllen, sonst könnten diese Spitzenpreise nicht aufgerufen werden. Also auch für den privaten Sender Pro7 ein sehr gutes Geschäft. Der Sender selber stellt seinen Kunden gegenüber heraus, dass TV-Werbung mit einer hohen Glaubwürdigkeit verbunden ist und die Emotionen direkt ins Wohnzimmer der Zuschauer transportiert werden. Scheint zu funktionieren.

Private Equity und die Modewelt

In den vergangenen Jahren haben viele Private Equity-Firmen die glitzernde und überaus attraktive Welt der Models und der Mode entdeckt. Die Gründe sind schnell genannt: Die Firmen haben hohe Margen und versprechen trotzdem noch hohes Wachstum. Außerdem kann man in dieser Branche mit relativ wenig Kapitaleinsatz viel und zudem noch schnell etwas bewirken. Sagt man.

Dass Modeunternehmen eine lohnende Investition sein können, haben schon diverse Private Equity-Transaktionen zwischen 2004 und 2007 gezeigt. Ob bei Jil Sander Anfang 2006, Hugo Boss, Tommy Hilfiger, Tom Tailor, Basler oder CBR(Cecil, Street One), überall sind in den vergangenen Jahren die oft ungeliebten Finanziers der Private Equity-Branche mit ihrem privaten Beteiligungskapital bei den weltbekannten Modeunternehmen eingestiegen und haben – allen Vorurteilen zum Trotz – die Unternehmen saniert oder auf kräftiges Wachstum getrimmt. Bei CBR Takko oder Jack Wolfskin hatte zumindest der erste Finanzinvestor beim Weiterverkauf eine sehr auskömmliche Rendite erzielt.  Ich bin gespannt, ob und wann Heidi Klum auf diese Finanzierungform der Beteiligungsfinanzierung zurückgreifen wird.

Auch wenn die Modebranche nicht auf meiner Agenda steht, lohnt es sich auf jeden Fall für jeden Manager und Unternehmer auch in Zukunft einen Blick auf Heidi Klum und ihre Vorhaben zu werfen. Ich habe das Gefühl, da kann die kühle“ Männerwelt noch viel von der glamourösen“ Frauenwelt  lernen. Ein altes Sprichwort sagt: Der erste Eindruck ist immer der wichtigste“. Richtig! Auch richtig ist, dass es sich immer lohnt, auch einen Blick hinter die Kulissen zu werden. Diese Unternehmerin hat m.E. durchaus das Zeug dazu, den zahlen- und renditeorientierte Managern und Beratern mit ihrem Gespür fürs gute Geschäft und ihrer Kreativität Impulse für das eigene Geschäft zu geben. Ich würde Frau Klum daher gerne einmal zu einem unserer ALLISTRO CAPITAL Industrie-Experten Treffen einladen um zu erleben was passiert, wenn diese beiden unterschiedlichen Welten aufeinandertreffen!? Vielleicht gelingt´s!

2 Gedanken zu „Mit richtigem Riecher, taffem Businessplan, seltenen Rohstoffen und mittelständischen Unternehmergeist nach ganz oben

  1. Lieber Herr Dr. Neukirchen,

    Haben Sie eine Tochter im GNTM sehfähigem Alter?

    M.E. ist der Alte (Vater) von Heidi der Major Domus hinter Heidi.

    Beste abendliche Grüsse von der Terasse wünscht Ihnen

    Ihr Christoph Pape

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Neukirchen,

    Ich verfolge die Entwicklung von Fr. Klum schon viele Jahre. Es ist beeindruckend die Entwicklung zu verfolgen. Sie sollten auch an ihren Vater denken. Er ist nicht ganz unschuldig an dem geschäftlichen Erfolg. Gr andre weber p.s. Bei dem treffen waere ich auch gern dabei.

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