Steht Deutschland in 2016 wirklich vor dem Ausverkauf durch Investoren?

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Das liest man oft: Viele Investoren haben volle Taschen und genügend „Kriegskasse“, um zum Investieren und auch um weitere Unternehmen dazu zu kaufen. Zugute kommt auch noch die viel zitierte Zinspolitik des „billigen Geldes“, die es deutlich vereinfacht, für Kaufpreise auch zusätzlich noch Darlehen günstig aufzunehmen. Demzufolge müssten ja in diesen Zeiten die Unternehmenskaufpreise deutlich steigen. Das tun sie in vielen Fällen auch, wie man immer wieder der Presse entnehmen kann.

Im klassischen Verkaufsprozess selbst treffen sich neben „reinrassigen“ Finanzinvestoren auch strategische Interessenten und die nur in geringer Zahl vorhandenen Unternehmer-Beteiligungsgesellschaften. Strategische Kaufinteressenten sind wegen vermeidlicher Synergien mit dem Kaufobjekt der Begierde auch bereit, den berühmten „strategischen Preis“ zu bezahlen. Das fällt ihnen leicht, da sie sich durch die sehr gute wirtschaftliche Entwicklung ihrer Unternehmen in den letzten Jahren Geld für Zukäufe zur Seite gelegt haben.

„An wen soll man denn nun verkaufen?“, fragt sich der veräußerungswillige mittelständische Unternehmer. Der Kreis der Interessenten wird kleiner, wenn aufgrund der Struktur seiner Geschäftstätigkeit zukünftig nicht ganz stabile Cash Flows zur Tilgung von Darlehen prognostizierbar sind, die zur Finanzierung des Kaufpreises von einzelnen Anbietern aufgenommen werden müssen.

Darüber hinaus genießen klassische Beteiligungsgesellschaften nicht unbedingt das uneingeschränkte Vertrauen des Mittelstands. Das ist ein absolutes Vorurteil, wie die Mittelstand-Finanzierungsstudie von Ebner Stolz aus dem Jahr 2014 zeigt: Denn diejenigen mittelständischen Unternehmer, die mit Beteiligungsgesellschaften erst einmal zusammen gearbeitet haben, sehen diese Zusammenarbeit deutlich positiver, als diejenigen die sich bislang nur darüber Gedanken gemacht haben, es zu tun. Das ist aus meiner Sicht alles andere als erstaunlich, hilft aber, es weiter zu kommunizieren, um mit Vorurteilen aufzuräumen und weiteres Misstrauen zu reduzieren.

Zudem lassen aktuelle Studien erkennen, dass Beteiligungsgesellschaften mit ihren Investments keinen schlechten Job machen. Das zeigt zum Beispiel die im November 2015 veröffentlichte Studie des Bundesverbandes Deutscher Beteiligungsgesellschaften (BVK). Danach weisen mit Beteiligungskapital finanzierte mittelständische Unternehmen ein im Vergleich zum Bundesdurchschnitt doppeltes bis dreifaches Umsatzwachstum im relevanten Untersuchungszeitraum auf, und es wurden auch mehr neue Beschäftige aufgenommen als im Bundesdurchschnitt.

Durchschnittliches Umsatzwachstum der Gesamtwirtschaft und mit Beteiligungskapital unterstützter Gesellschaften (Quelle: BVK Studie zur wirtschaftlichen Entwicklung von Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen in Deutschland, November 2015)Abbildung 1: Durchschnittliches Umsatzwachstum der Gesamtwirtschaft und mit Beteiligungskapital unterstützter Gesellschaften (Quelle: BVK Studie zur wirtschaftlichen Entwicklung von Beteiligungskapital finanzierten Unternehmen in Deutschland, November 2015)

Soll der Unternehmer aufgrund von Vorbehalten gegenüber klassischen Beteiligungsgesellschaften daher lieber an einen Strategen verkaufen, bei dem die große Gefahr besteht, dass er nach dem Erwerb das Firmenschild abschraubt und oftmals auch den Firmensitz verlegt oder den Betrieb gar stilllegt, wenn es ihm beim Erwerb des Unternehmens lediglich um Marktanteile und zusätzliche Kunden geht?

Das hat auf jeden Fall das Potential, dass der Verkäufer auch eine unternehmerische Beteiligungsgesellschaft als Käufer kürt. Das ist für ihn dann eine attraktive Sache, wenn der Kaufpreis für ihn nicht alleine der entscheidungsrelevante Verkaufsfaktor ist, sondern er Vertrauen in den Erwerber aufgebaut hat und vielleicht sogar im Rahmen der Käuferbeurteilung die Gesellschafter als Kapitalgeber der Unternehmer-Beteiligungsgesellschaft vor seiner Entscheidung kennenlernen kann.

Was heißt das denn jetzt alles für den Anleger, der im Rahmen seiner Vermögensallokation auch einen entsprechenden Teil seiner Mittel in Beteiligungskapital langfristig investieren möchte? Zum einen zeigt die oben erwähnte Studie des BVK, dass Beteiligungsgesellschaften ihre Portfoliounternehmen intensiv weiterentwickeln. Das ist ja auch für potentielle Anleger schon einmal eine wichtige Aussage! Darüber hinaus ist es für interessierte Anleger wichtig herauszufinden, in welchem Segment die Beteiligungsgesellschaft aktiv ist, an der er sich zu beteiligen plant. Das ist aus meiner Sicht essentiell!

Auch hier gibt es Bereiche, bei denen Beteiligungsgesellschaften lediglich über sehr institutionalisierte und preiseffiziente Auktionen Gesellschaften erwerben können. Dies trifft auf jeden Fall umso eher zu, je größer die zu veräußernden Unternehmen und damit auch die Transaktionen sind. Dort wird der Teilnehmer das Investment erwerben, der den höchsten Preis bietet. Das ist für den Anlageinteressierten dieser Anlegerklasse nicht unbedingt eine gute Nachricht, sollte er aber mit in seine Entscheidung einbeziehen, wenn er sich an Fonds beteiligen möchte, die große Anlagevolumen von durchaus vielen hundert Millionen oder gar Milliarden Euros oder Dollar in ihren Fonds einsammeln.

Zudem gilt es noch zu berücksichtigen, dass es von der Grundgesamtheit her mehr kleinere als größere Gesellschaften gibt und daher natürlich auch mehr kleinere als größere Gesellschaften zur Veräußerung stehen. Dann versteht man vielleicht auch besser, dass insbesondere bei größeren Fonds derzeit mehr Kapital als Anlageopportunitäten bestehen, insbesondere in heutigen Zeiten, in denen auch Strategen als Kaufwettbewerber am M&A Markt sehr dominant auftreten. Das muss der potentielle Kapitalgeber einer Beteiligungsgesellschaft berücksichtigen. Insbesondere, dass diese Situation Beteiligungsgesellschaften mit einem sehr hohen zu investierenden Beteiligungsvolumen unter Druck setzt und dazu verführen lässt, deutlich höhere Preise zu bezahlen als die interne Kalkulation es empfiehlt.

Das kann gefährlich sein, was den Erwerbspreis von großen Transaktionen angeht. Prequin, ein internationaler Datenbankbetreiber für Alternative Investments, hat im Sommer 2015 bei internationalen Investoren auch eine Umfrage zur Größenattraktivität von Beteiligungstransaktionen durchgeführt. Wie man der Abbildung 2 entnehmen kann, gelten insbesondere kleinere Transaktionen als äußerst attraktiv.

Anlage -Attraktivität in Beteiligungskapital unterteilt nach Transaktionsgrößen (Quelle Prequin Investor Interviews, Stand Juni 2015)

Abbildung 2: Anlage-Attraktivität in Beteiligungskapital unterteilt nach Transaktionsgrößen (Quelle Prequin Investor Interviews, Stand Juni 2015)

Das deckt sich mit den zuvor von mir gemachten Gedanken und zeigt, dass es für Anlegerinteressierte durchaus attraktiv sein kann, sich an Fonds zu beteiligen, die nur kleinere Investments machen bzw. kleinere Unternehmen erwerben.

Ein in diesem Zusammenhang immer wieder aufkommendes Thema ist das Vertrauen gegenüber dem Management der Beteiligungsgesellschaft. Hierbei wird als Gradmesser oft auf die Investmenthöhe der Manager in den Fonds eingegangen.

Dieses Thema ist richtig und auch wichtig. Aber schauen Sie sich dagegen doch einmal die Assetmanager anderer Anlageklassen an: Haben Sie ihren Aktienhändler schon gefragt, ob er an dem von ihm gemanagten Aktienfonds, den Sie gezeichnet haben auch persönlich beteiligt ist? Und in welcher Höhe?