Können sich durch die neue Richtlinie für alternative Investment Fonds (AIFM) Vorfälle wie der bei S&K wiederholen?

Ich war doch sehr bestürzt, als ich in den letzten zwei Wochen die Berichte über die Vorgehensweise der S&K Immobilienfonds-Gesellschaft und deren Manager in der Wirtschafts- und Tagespresse las. Demzufolge haben die Chefs der S&K-Gruppe aus Frankfurt, die 2000 gegründet wurde, lieber in ihren aufwendigen und luxuriösen Lebensstil investiert, statt das Geld tausender Anleger in Immobilien ordentlich anzulegen. Und nicht nur das: In diesen Anlageskandal soll nicht nur die S&K-Gruppe allein verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt umfassend und arbeitet sich durch die Strukturen von den mehr als 100 Gesellschaften, die mit dem Betrug in Verbindung stehen könnten. Die Geschäftsräume des Hamburger Partners United Investors und von DCM Deutsche Capital Management AG wurden mittlerweile auch durchsucht. Von weiteren Großrazzien, vor allem bei der FIHM Fonds und Immobilien Holding München AG und die SHB Innovative Fondskonzepte AG, gehen die auf das Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Anwälte aus. Und: Es sollen auch klassische Banken sind in den Fall verwickelt sein. Sie haben den Vertrieb geschlossener Fonds, zu denen auch die Produkte der S&K-Gruppe zählen, an Tochtergesellschaften ausgelagert.

Zeichnet sich hier ein neuer Milliardenskandal ab? Die Staatsanwaltschaft wird hoffentlich alles an den Tag bringen.

Auch in diesem Fall muss man sich wieder die Frage stellen, wie es möglich war, dass die beiden Gründer der S&K-Gruppe so agieren konnten? Lag es an ihrer „geschickten“ und etwas großspurig wirkenden Vermarktung, dass die Anleger ihnen so bedenkenlos in Geld anvertrauten? Eigentlich hätte deren offensichtliches Verhalten schon früher Anlass zum Nachdenken geben müssen! Aber entscheidend ist ja die Frage, wer denn deren Geschäfte prüfte? Und kann denn so etwas wieder passieren, trotz der anstehenden Regulierung durch die sogenannte AIFM-Richtlinie (Aufsicht alternativer Investmentfonds-Manager). Ich glaube zwar, dass man viel regulieren kann, aber schwarze Schafe werden auch zukünftig nicht durch ein Regelwerk weiß. Zwar hilft diese neue Regelung bestimmt, um Vertrauen zu schaffen, aber kann man vielleicht als Anlageinteressent mit ein paar einfachen Möglichkeiten abseits des Regelwerks nicht auch ein für sich besseres und sichereres Gefühl bekommen?

Ist die Regulierung der alternativen Investment Fonds Manager das richtige Mittel?

Kaum ist der Fall von S&K zutage getreten, werden schon wieder die warnenden Stimmen laut, endlich den Markt geschlossener aber nicht an der Börse gehandelter Fondsanteile zu regulieren. Aber das kommt ja. Spätestens im Sommer 2013 wird die neue Richtlinie zur Überwachung der alternativen Investment Fonds Manager (AIFM) in Kraft treten und dann wird endlich der Bereich alternativer Anlagen auch reguliert. Ein Sektor wird damit reguliert, der mit der letzten Finanzkrise definitiv nichts zu tun hatte. Ist ja auch nicht schlimm, strenger überwacht zu werden, kostet halt mehr Administrationszeit und vielen Fonds neue Aufbau- und Ablaufprozesse und damit auch  höhere Kosten, aber sonst ist nichts dagegen einzuwenden.

Bei der Auswahl der Fondsmanager hat man zukünftig den Vorteil, dass diese bereits bei der Finanzaufsichtsbehörde registriert oder sogar geprüft sind und auch nachweisen können, dass Sie dieses Geschäft nicht zum ersten Mal tätigen. Das ist zwar neu, aber dieser Punkt würde sich auch ohne AIFM-Richtlinie durch bisher durchgeführte Investments nachweisen lassen. Auch hier kann man mit einem hohen Maß an Anlegerneugierde schon eine Menge feststellen:

  • An welcher Stelle verdient der Fondsmanager (dieser Frage bin ich auch schon in früheren Artikeln nachgegangen, u.a.: Warum haben die Beteiligungsfonds oftmals so ein schlechtes Image?)?
  • Verdient er nur am Fonds oder investiert er auch eigenes Geld, so dass die gesamte Struktur darauf ausgerichtet ist, dass er mit dem Produkt sein Geld verdient?
  • Wer trägt die Kosten des Vertriebs und wie hoch sind die sogenannten „weichen Kosten“? Im Fall S&K sind laut Presseangaben auch zweistellige Provisionssätze gezahlt worden sein.
  • Wer soll die operativ verdienen und darüber hinaus auch noch hohe Renditen für die Anleger erzielen?
  • Ein weiterer Indikator zeigt sich im Fondsmanagement und seinen Umfeld: Was sind das für Personen, die den Fonds mit Fachexpertise unterstützen? Welche Reputation genießen diese? Auch hier kann man mit eigener Recherche schon zu einer Menge Informationen und einem guten Urteil gelangen.

Selbst mit nur geringer Fonds-Kenntnis lässt sich auch ohne Einschaltung von Experten die angebotene Fondsstruktur überprüfen: Kann es sein, dass man Anlegern eine laufende ausschüttbare Garantieverzinsung verspricht, wenn man als Basis ein Projektgeschäft betreibt, wie z.B. das Erwerben, Weiterentwickeln und Veräußern von Beteiligungen oder Immobilien, wie es bei S&K angegeben wurde? Wohl kaum, wenn man weiß, dass im Projektgeschäft wie z.B. auch an nicht börsennotierten Beteiligungen, Renditen nicht nach einer festen Zahlungsstruktur ausgeschüttet werden können, da Realisierungen in nicht liquiden Märkten nicht immer genau vorausgeplant werden können, außer es geht zu Lasten der Rendite. Das passt halt einfach nicht zusammen.

Aber auch hier gibt es ja mittlerweile schon seitens der Finanzaufsicht entsprechende Prüfungen. Fondsauflegungen wie sie bei S&K durchgeführt wurden, sind heute nicht mehr möglich, da die Aufsichtsbehörde BaFin mittlerweile nicht nur die Vollständigkeit und Verständlichkeit eines Fondsprospektes prüft, sondern inhaltlich auch die Machbarkeit. Mir ist in dem Fall S&K ebenfalls nicht klar, dass bspw. ein TÜV-Siegel die Qualität eines Produktes suggerieren sollte. Aber es gelang, auch wenn der Siegel sich nur auf interne Prozesse bezog und nicht öffentlich verwendet werden durfte. Es hätte mich auch gewundert, wenn der TÜV, der ja schon viele Dienstleistungen anbietet, nun auch solche speziellen Fondsprodukte beurteilt!

Mittelverwendungskontrolleure sind in der Pflicht!

Und wenn man sich dann für ein Fondsinvestment entschieden hat, wird es ab dem Sommer 2013 mit der Beaufsichtigung dessen, was die Fondsmanager tun, für die Fondsanleger auch besser: Die sogenannte Verwahrstelle prüft zukünftig, ob mit geplanten Investitionen nicht gegen gesetzliche Vorschriften oder die Anlagestrategie des Fonds verstoßen wird. Sollte dies der Fall sein, kann sie geplante Ausführungen zu stoppen. Ein Immobilienfonds kann damit nicht einfach Yachten oder schöne schnelle Autos mit Fondsmitteln erwerben und sich das private Leben verschönern. Insoweit übernimmt die Verwahrstelle, die durch eine Bank, vielleicht aber auch einen Rechtsanwalt oder einen Wirtschaftsprüfer dargestellt werden kann die Aufgabe eines Mittelverwendungskontrolleurs.

Auch bei der Bewertung des Bestandes schaut die Verwahrstelle auf die Bewertungsansätze. Ist das etwa neu? Nein, bislang haben die Fondsmanager auch immer vor Fondsauflegung sich auf einen Bewertungsansatzes ihres Bestandes mit dem Wirtschaftsprüfer festlegen müssen. Auch hierbei wurden im Detail die wesentlichen Bewertungsparameter festgelegt und definiert, inwieweit Parameterveränderungen Auswirkungen auf die Bestandsbewertung haben. Diese haben die Wirtschaftsprüfer dann im Rahmen der jährlichen Abschlussprüfung und Testierung des Fonds gleich mit überprüft. Im Abschlussbericht weisen die Wirtschaftsprüfer bislang aber auch separat darauf hin, ob sich der Bewertungsansatz geändert. Es zeigt sich, dass es auch hier schon lange einen Anlegerschutz gibt, auch ohne AIFM-Richtlinie. Ob und was allerdings im Fall von S&K von den Wirtschaftsprüfern bewertet wurde, bleibt zumindest mir verschlossen. Aber auch an dieser Stelle kann man als Anleger leichte Prüfungen durchführen, die einem das gute Gefühl geben, dass man indirekt auch an den mittelständischen Unternehmen des Beteiligungsfonds, die im Abschlussbericht aufgeführt sind, beteiligt ist. Mit der Nutzung des elektronischen Bundesanzeigers kann man schnell eine Antwort auf diese Fragen bekommen.

Darum prüfe wer sich länger bindet, …

Zusammenfassend kann man sagen, dass durch die neue Richtlinie und die mittlerweile auch inhaltliche Prüfung der Fondskonzepte der BaFin solche oder ähnliche Fälle, wie sie bei S&K vorgekommen sind, auch weiterhin nicht auszuschließen sind. Aber für solche Kandidaten wird es deutlich schwerer. Das ist auch für die gesamte Branche gut so!!
Unverändert, so denke ich, kann man mit Verstand, Neugierde, Interesse und Energie auch viele Dinge selbst prüfen, ob mit oder ohne neue Richtlinie. Schwarze Schafe wird es wahrscheinlich auch in Zukunft geben. Sie werden auch durch die neue Richtlinie nicht aussterben. Interessant wäre noch die Frage, was denn Vermittler und Banken an Produktprüfung vorab durchgeführt haben, bevor sie S&K Produkte ihren Kunden empfohlen hatten? Auch hier sollte sich der Interessent immer die Frage stellen, welche Motivation der Vermittler hat und ob er auch – aus Gründen der Interessengleichheit – mit in das angebotene Produkt investiert.

Lesen Sie auch:

Ein Gedanke zu „Können sich durch die neue Richtlinie für alternative Investment Fonds (AIFM) Vorfälle wie der bei S&K wiederholen?

  1. Lieber Herr Dr. Neukirchen,

    an verschiedenen Stellen streifen Sie die Funktion externer Berater. Und in der Tat würde es auch mich interessieren – um bei meiner Profession zu bleiben -, wie sich im angesprochenen Fall S&K die Rolle der Wirtschaftsprüfer darstellt. Klar ist uns allen, dass es in jeder Branche schwarze Schafe gibt, die sich von unsittlichen Motiven leiten lassen. Tatsächlich kann jedoch auch für die angesprochene Gruppe der Prüfer ein Abklopfen stattfinden: Warum nicht einfach einmal den Namen und die Kanzlei im Internet betrachten (über das Online-Register der Wirtschaftsprüferkammer sind die Daten leicht und frei abrufbar)? Im Zweifel auch anrufen und den Wirtschaftsprüfer unabhängig von dessen Mandatierung, da er ja das Gebot der Verschwiegenheit beachten muss, danach befragen, welchen Stellenwert für ihn die Aspekte (eigene) Qualifikation, Unabhängigkeit, Integrität etc. besitzen und mit welchen Maßnahmen dies abgesichert wird. Diese Fragen sind fraglos gestattet zu stellen und damit lässt sich doch auch durch externe Personen (potenzielle Investoren) ein (Bauch-)Gefühl für die Seriosität der konkreten Prüfer entwickeln.

    Herzliche Grüße, Ihr Christoph Eppinger

Kommentare sind geschlossen.