Börsengang für Familienunternehmen als Ausgangsbasis zur Rentabilitätsverbesserung?

Warum sollte man nicht eine Beteiligungsgesellschaft mit Branchen Know-How einbeziehen?

Die Performance von Familiengesellschaften soll geringer als die von börsennotierten Gesellschaften sein, war vor kurzem auf der Titelseite einer großen deutschen Tageszeitung zu lesen. Diesen wird daher, so die Zeitung, der Gang an die Börse empfohlen, um damit das notwendige Kapital zinsgünstig oder zinsfrei zur Leistungsverbesserung zu erhalten. Lässt sich ein solcher Profitabilitätsvergleich objektiv so anstellen? Ich meine nein. Und auch ein Börsengang stellt nicht die einzige mit vielen Nachteilen für Familiengesellschaften verbundene Maßnahme zur Umsetzung geplanter Wachstumsaktivitäten dar. Eine attraktive Option ist das Beteiligungskapital außerhalb der Börse, sofern sie dem Unternehmen strategisch operativ weiterhelfen kann.

Nachhaltige Substanzstärkung statt kurzfristige Aktivitäten- und Ergebnis- bzw. Dividendenpolitik

Der Leistungsvergleich börsennotierter Gesellschaften mit Familienunternehmen ist  nicht neu, hinkt aber immer noch an mehreren Stellen. Zum Beispiel liegt es daran, dass Börsenunternehmen durch die Veröffentlichungen in immer kurzen Zeitabständen über Erfolge berichten müssen, während der Familienunternehmer im Rahmen der Bilanzierungsspielräume eine andere Intention verfolgt. Stille Reserven legen, Aktivitäten so steuern, dass sie nicht für jeden Dritten, der die Bilanz in die Hände bekommt, sofort offensichtlich wird. Zudem spielen in der Welt des Familienunternehmers ganz andere Aspekte eine wichtige Rolle, die langfristige Ziele verfolgen und auch stolz auf das Vertrauen ihrer Mitarbeiter zum Unternehmen sind. Dafür halten sie z. B. auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr lange an diesen fest. Macht man es kurz, kann man auch sagen, dass nachhaltige Substanzstärkung einer kurzfristigen Aktivitäten- und Ergebnis- bzw. Dividendenpolitik eindeutig vorgezogen wird. Dieser Maxime müssen auch angestellte Manager in Familienunternehmen primär berücksichtigen und reflektiert sich im Bestandteil ihrer variablen Vergütung.

Ein Börsengang ist oft nicht Ziel- sondern Startlinie

Wird aber der Familiengesellschaft die Börse für die weitere Expansion schmackhaft gemacht, wundert sich der Unternehmer oftmals im Nachhinein, dass der Börsengang für ihn nicht die Ziel- sondern erst die Startlinie war. Er muss sich jetzt nicht nur erhöhten regulatorischen Zwängen unterwerfen, sondern die neuen Mitgesellschafter, das heißt Aktionäre, haben nur ein Ziel. Sie wollen möglichst schnell Erfolge mit ihrem Investment erzielen, was sich auch mit ordentlichen Kurssteigerungen und einer attraktiven Rendite übersetzen lässt, die Dividende und nicht langfristige strategische Ausrichtung heißt. Das zwingt den Unternehmer zum Umdenken und „umsonst“ ist dieser Börsengang für ihn ja auch nicht, da er im Rahmen der Kapitalerhöhung seinen Anteil an der Gesellschaft schließlich „verwässert“. Und dann ist auch noch der Aspekt des Insiderwissens zu berücksichtigen. Der Unternehmer als Manager einer börsennotierten Einheit, erfährt oder weiß einfach früher Aspekte, die den Aktienkurs beeinflussen können. Dann stellt sich die Frage, wie er denn sein Wissen mit seinem Aktienbestand in Einklang bringt, ohne durch Kauf- oder Verkaufsorder sich dem Tatbestand des Insiderwissens verdächtig zu machen.  Das ist für ihn eine vollständig neue Situation.

Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für Unternehmer

Beim Börsengang ebenso wie bei der Alternative einer Anleiheauflegung wird er es nur mit „Mitgesellschaftern“ zu tun haben, die anderes Ziel mit einem Investment verfolgen als er.
Aber so schwarz- weiß und facettenlos ist die Welt bei der Auswahl der Handlungsmöglichkeiten für den Unternehmer ja zum Glück nicht. So hat er unter Umständen die Möglichkeit, einen anderen Gesellschafter mit aufzunehmen, der nicht gleich der direkte Wettbewerber sein muss. Zum Beispiel eine Beteiligungsgesellschaft. Was bringt die? Zunächst einmal kann sie, abhängig davon, welche im Fokus steht, Branchenexpertise mit einbringen und damit auch aktiv Input bzgl. der Weiterentwicklung geben. Das gilt insbesondere für Beteiligungsfonds die eine klare Branchenfokussierung haben und damit auch ganz klar über Branchen Know-How haben.  Neben der Industrieexpertise verfügen diese Beteiligungsgesellschaften zudem über ein großes Netzwerk, dass die Weiterentwicklung der Gesellschaft zusätzlich positiv beeinflussen kann. Und gerade hier führt die nur einmal im Quartal oder Halbjahr stattfindende und nur gering durch die Kapitalmarktentwicklung beeinflusste Bewertung und die erlaubte, ja gerade notwendige Nutzung von Insiderwissen zur Umsetzung von Aktivitäten, die für beide vorteilhaft sind und auch Interessengleichheit sicherstellt.

Wichtig ist es somit eine Beteiligungsgesellschaft zu finden, die aus Sicht des Unternehmers mit seinen mittel- bis langfristigen Zielen übereinstimmt und keine, bei der die möglichst hohe Fremdfinanzierung des Kaufpreises und seine Rückführung oder eine maximale Dividendenausschüttung im Vordergrund steht. Sonst könnte man ja schließlich auch an die Börse gehen.

5 Gedanken zu „Börsengang für Familienunternehmen als Ausgangsbasis zur Rentabilitätsverbesserung?

  1. In Ihrem Block stellen Sie die Problematik eines Börsenganges sehr richtig dar. Dem ist nur zuzustimmen. Allerdings braucht auch der PE-Investor ja letztlich Fungibilität oder Exit-Option. Das ist eben auch schwierig. Leicht ist ohnehin nichts.
    Hermut Kormann

  2. Ich persönlich habe als CFO im Management eines etablierten Mittelstandsunternehmens exakt diesen Paradigmenwechsel während meiner Zeit von fünf Jahren als Familienunternehmen und anschließendem Börsengang desselben (danach zehn weitere Jahre Börsennotierung) erlebt und auch aufgrund des damaligen Wachstumskapitalbedarfs mit initiiert.

    Gern können wir uns über die vielschichtigen Pro´s und Con´s persönlich austauschen. In der Summe gebe ich jedoch Ihrem Artikel völlig recht: der Traum vom Börsenlisting ist nach dem IPO schnell ausgeträumt, wenn man die mannigfaltigen Verpflichtungen und Erwartungen realisiert, die der Marktplatz Börse so mit sich bringt. Abgesehen von der großen Chance, Wachstumskapital zu erhalten, spricht vieles für die bekannte, mittelständische Nachhaltigkeitsorientierung abseits der Börse (Artikel dazu aus 2008: http://prreport.de/home/aktuell/article/372-megatrend-und-minenfeld-nachhaltigkeit/)

    Soviel dazu in aller Kürze …,

    Ralph Jacoby, Stuttgart

  3. Als langjähriger Investor am Kapitalmarkt vermisse ich eben genau diejenigen Familienunternehmen an der Börse, die über Generationen hinweg ihr Geschäft erfolgreich aufgebaut haben und sich nun neuen Miteigentümern öffnen. Schaut man sich die wenigen Familienunternehmen an, die den Börsengang erfolgreich in der Vergangenheit unternahmen, wie bspw. Dräger, so scheint die Kapitalmarktnotierung keine Last sondern vielmehr die erneute Grundsteinlegung für ein erfolgreiches Geschäftsmodell gewesen zu sein.

    Welches Unternehmen hätte nicht gerne Miteigentümer, die einen langfristigen Gedanken wie etwa Warren Buffett hegen? Derer gibt es einige – auch in Deutschland. Natürlich gibt es viele Investoren, die nur das schnelle Geld an der Börse machen möchten, langfristig sind diese jedoch nicht erfolgreich.

    Ich sehe jedoch auch die angesprochenen Probleme bei vielen Unternehmen. Während das Management hervorragend operativ tätig ist und dies auch über Jahre hinweg bewiesen hat, so kommen plötzlich die Anforderungen des Kapitalmarktes in geballter Form und viele Vorstände fühlen sich überfordert. Insbesondere wenn die Investmentbanken ihre Aufgaben als erfüllt ansehen und das Unternehmen in der Folge im Stich lassen.

    Es ist sicherlich richtig, dass der Börsengang eines Unternehmens in normalen Zeiten erst der Anfang des Kapitalmarktlebens ist. Damit Unternehmen hier erfolgreich wachsen können, ist es zwingend notwendig sich Kapitalmarktkompetenz in das Unternehmen hinein zu holen. Dies muss nicht zwingend eine Neubesetzung im Vorstand bedeuten, aber auch nicht das alleinige Vertrauen auf Investmentbanken oder Investor Relation Agenturen.

    Die Frage, die sich stellt ist tatsächlich, welche Unternehmen sollten den Weg an die Börse wählen und welche über Beteiligungsgesellschaften und Branchenexperten erfolgreich in die Zukunft gehen? So ernüchternd die Antwort für einen Kapitalmarktinvestor auch sein mag, die zweite Alternative ist für einen Vielzahl der Gesellschaften sicherlich die erfolgsversprechendere.

  4. Ich möchte gerne den Aspekt der Nachhaltigkeit aufgreifen. In meiner langjährigen Beratererfahrung habe ich durch den mit einem Börsengang verbundenen Paradigmenwechsel beim sogen. „Wertekanon“ negative Auswirkungen auf die Belegschaft erlebt, denn es ist nicht jedermann’s Sache, sich mit neuen Zielvorgaben zu identifizieren. Dies kann insbesondere in der „zweiten Ebene“ zu einer unerwünschten Fluktuation führen.

    Ein direkter Vergleich eines börsennotierten mit einem Familienunternehmen zeigt auch, dass letzteres durch die Bildung von Reserven in guten Zeiten trotz identischer konjunkureller Rahmenbedingungen deutlich ausgeglichener durch die Konjunkturzyklen steuert, ohne beim Vergleich des Totalgewinns schlechter abzuschneiden. Die Praxis verdeutlicht, dass durch vorsorgliche Gewinnthesaurierung in guten Zeiten die Inanspruchnahme der Anteilseigner in schlechten Zeiten durch eine Kapitalerhöhung vermieden werden kann.

    Daher sind mir privatwirtschaftliche Finanzierungsmodelle grundsätzlich sympathischer.

  5. Gerne möchte ich den Aspekt der Nachhaltigkeit aufgreifen. In meiner langjährigen Beratererfahrung habe ich durch den mit einem Börsengang verbundenen Paradigmenwechsel beim sogen. „Wertekanon“ negative Auswirkungen auf die Belegschaft erlebt, denn es ist nicht jedermann’s Sache, sich mit neuen Zielvorgaben zu identifizieren. Dies kann insbesondere in der „zweiten Ebene“ zu einer unerwünschten Fluktuation führen.

    Ein direkter Vergleich eines börsennotierten mit einem Familienunternehmen zeigt auch, dass letzteres durch die Bildung von Reserven in guten Zeiten trotz identischer konjunkureller Rahmenbedingungen deutlich ausgeglichener durch die Konjunkturzyklen steuert, ohne beim Vergleich des Totalgewinns schlechter abzuschneiden. Die Praxis verdeutlicht, dass durch vorsorgliche Gewinnthesaurierung in guten Zeiten die Inanspruchnahme der Anteilseigner in schlechten Zeiten durch eine Kapitalerhöhung vermieden werden kann.

    Daher sind mir privatwirtschaftliche Finanzierungsmodelle grundsätzlich sympathischer.

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