Sind Mittelstandsanleihen ein attraktives Produkt?

Unter welchen Voraussetzungen man leichter „ja“ sagen könnte!

Mittelstandsanleihen sind zurzeit stark in Mode. Nicht nur für Emittenten, sondern auch für Anleger sind sie in der jetzigen Niedrigzinsphase eine attraktive Anlagemöglichkeit. Aber Emissionen zeigen, dass die risikoadjustierte Verzinsung nicht immer ganz passt. Irgendwie kommt man als Interessierter auch bei dieser Anlageform nicht daran vorbei, sich selbst intensiv mit dem Emittenten auseinander zu setzen. Mehr als hilfreich ist es, sich dabei auch die Ratingzusammenfassung einmal genau anzuschauen, da die Reputation der Emissionsteilnehmer als Incentive für „nur gute“ Emissionen allein nicht ausreicht. Schade aus Sicht der Anlageinteressierten, dass man bei den emissionsbeteiligten Personen und Institutionen nicht auf das Vertrauenselement des Mitinvestments setzen kann, wie es bei den Managern von Beteiligungsgesellschaften zu Recht eingefordert und zunehmend gehandhabt wird.

Gut in das neue Jahr gekommen ist es doch nicht erstaunlich, dass einem viele Fragen des alten Jahres treu geblieben sind bzw. den Jahreswechsel gut „überlebt haben“. Zum Beispiel die der „richtigen“ Geldanlage. Ein Aspekt, den ich in meinen Artikeln ja auch schon öfters gestreift habe. Die in jüngster Zeit mehrfach auf mich zugekommene Frage, was ich denn von Mittelstandsanleihen als Anlage halte, möchte ich gerne einmal beantworten.

Keine Zweifel, für den mittelständischen Emittenten ist es eine attraktive Alternative, die ihm aufgrund seiner Unternehmensgrößenordnung früher nicht zur Verfügung stand, infolge der Zinssituation attraktiv ist und den Unabhängigkeitsgrad gegenüber Banken erhöht. Zwar wird augenscheinlich eine risikoadäquate Verzinsung am Markt verlangt, aber solange es mit dem eigenen Unternehmen und somit auch der Anleihe gut geht, muss man sich als Emittent nicht mit all seinen Gläubigern gleichzeitig auseinandersetzen und einigen. Insoweit ist es gegenüber einem Kredit durchaus eine reizvolle Alternative, sofern man sich mit seinem Unternehmen während der Anleihelaufzeit kontinuierlich in einer „Schönwetterphase“ befindet. Auch für Beteiligungsfonds kann  es im Rahmen einer geplanten Wachstumsstrategie ihrer Beteiligungen eine durchaus interessante Finanzierungsalternative abseits der Banken sein.

Anleger dürfen die Relation zwischen Risiko und Rendite nicht ignorieren

Aus Sicht der Anleger ist es ja auch eine klasse Sache. Endlich kann er einmal über eigens geschaffene Segmente an den deutschen Börsen Anleihen mittelständischer Unternehmen erwerben. Durch eine Stückelung von EUR 1.000,-,  statt bei den Emissionen großer Unternehmen ab EUR 50.000,-, ist das für den Anleger ja wirklich attraktiv. Doch auch bei dieser Anlageform sollte man sich, wie bei allen anderen Anlagen, mit den Details des Anleiheemittenten einmal genau auseinandersetzen und darf die Relation zwischen Risiko und Rendite nicht ignorieren. Dieses, nicht zuletzt, weil das Marktsegment doch keine hohe Transparenz bietet.

Wie die Praxis zeigt, passiert ebendies häufig leider nicht, da Verzinsungshöhe zu emittierender Anleihen oftmals nicht vom Rating, sondern auch vom klangvollen Emittenten Namen abhängt. Das kann sehr gefährlich werden. Ganz besonders dann, wenn man im Sog dieses Mittelstandsanleihe-Booms auch wirklich fast ALLES an den Markt bringen will. Eigentlich müssten für die Dienstleister und Berater solcher Emissionen die Incentivierung bestehen, nur wirklich gute Anleihequalitäten an den Markt zu bringen, hängt doch davon die eigene Reputation ab. Aber warum soll man als Einzelner nicht das  tun, was auch andere Emissionsteilnehmer machen? Und solange es gut geht, leidet ja kein Plattformbetreiber oder Dienstleister darunter. Liegt der umgekehrte Fall vor, leiden alle unter einem schlechten Image, auch die, die nur qualitativ gute Unternehmensanleihen mit einer risikoadäquaten Verzinsung an den Markt gebracht haben. Also was hilft es diesem dann, sich bislang nur um wirklich qualitativ gute Emittenten gekümmert zu haben und ihm dadurch Geschäft und Gewinn entgangen sind? Nichts! Außer er hat eine gewisse eigene Anforderung an seine Arbeit und dessen, was er tut.

Emissionsbetreuer sollten unaufgefordert einen bestimmten Promille- oder Prozentsatz der Emission selbst in die eigenen Büchern nehmen!

Aber die Reputation der Plattformbetreiber und Emissionsdienstleister funktioniert als Incentivierung somit nicht in der Ausprägung, wie man es sich auf den ersten Blick denkt oder wünscht. Wie könnte man den Aspekt anders lösen? Entscheidend ist auch bei dieser Anlageform, dass die Berater und Servicedienstleister, die die Platzierung mit an den Markt bringen, bislang nur am Produkt verdienen, aber nicht mit dem Produkt. Das heisst für diese ist das „an den Markt bringen“ der Emission attraktiv, da sie dafür eine Beratungs- bzw. Dienstleistungsgebühr erhalten. Ein weiteres Risiko gehen sie nicht ein. Würden die Emissionsbetreuer unaufgefordert einen bestimmten Promille- oder Prozentsatz der Emission selbst in die eigenen Büchern nehmen, würde trotz des bestehenden Bonitätsratings eine andere Qualität an Emissionen platziert. Das heißt nicht, dass im Prospekt bislang auf Risiken und Qualitätsmerkmale des Emittenten verzichtet wird. Aber bei einer Kapital- bzw. Investmentbeteiligung der involvierten Dienstleister und Berater kann der Anlageinteressierte zumindest eine Interessengleichheit feststellen.

Dieser Gedanke ist alles andere als neu und wird in meinen Gesprächen mit interessierten Zeichnern unseres Beteiligungsfonds ja auch immer erfragt. Viele Beteiligungsfonds-Manager signalisieren ja durch ihre persönliche Beteiligung an dem Fonds, dass Sie mit ihren Entscheidungen das gleiche Risiko wie die übrigen Fondsgesellschafter tragen. Das erhöht, wie auch in einem Kommentar zu meinen letzten Blogartikel „Warum haben Beteiligungsfonds oftmals so ein schlechtes Image?“ zu lesen war, das Vertrauen potentieller und tatsächlicher Anleger, auch in die Anlageform Beteiligungsfonds.

Ein Gedanke zu „Sind Mittelstandsanleihen ein attraktives Produkt?

  1. Lieber Dirk,
    den enthaltenen Thesen zur Mittelstandsanleihe kann man nur beipflichten. Auch wenn es das Produkt für Emittenten verteuert, sollte bei der Neuschaffung von Risiken gleich welcher Coleur, die auch von Non-QUIPs erworben werden können, grundsätzlich ein Mehr an Regulierung obligatorisch sein — z.B. indem verpflichtend eine der führenden Ratingagenturen zu involvieren ist; eine solche Anforderung wäre von der betreffenden listing platform zu formulieren, das wäre eine Alternative zu dem von Dir angeregten Mitinvestment der Berater.

    Bei Private Placements mittelständischer Unternehmen (naturgemäß ohne Börse) an Non-QUIPs herrscht „Wilder Westen“. Wer sich als Non-QUIP in solche Graumarktzonen investiert, muss sich aber auch nicht wundern. In diesem bracket wäre eine Mitinvest-Verpflichung inkl. Halteverpflichtung der Berater wahrscheinlich heilsam. In diesem Umfeld ist zusätzlich auch nicht ausgeschlossen, dass der Emittent sich selber versucht (ohne kommerziellen Berater) und allein mit Unterstütung eines Rechtberaters neue Investementgelegenheiten schafft…

    Beste Grüße
    ch

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