Wann ein Beteiligungskapital-Branchenbarometer weiterhelfen kann und wann nicht

Für interessierte Anleger wird das Dilemma immer größer: Zum einen wollen Sie aufgrund der Niedrigzinsphase unbedingt ihr Portfolio in attraktivere Anlagen umschichten, aber sie leiden wie fast alle unter dem „Status Quo Bias“-Dilemma, was sie oft davon abhält genau dieses zu tun. Haben sie sich zum anderen dann dennoch dazu durchgerungen, z.B. auch in privates Beteiligungskapital abseits der Börse investieren zu wollen, wird es nicht einfacher, eine richtige Auswahl zu treffen. Zum einen liest man in Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazinen über einzelne große Fondsmanager und deren Transaktionen, die gerade erfolgreich waren. Zum anderen kann man sich bzgl. der Zukunftseinschätzungen auch der jeweiligen Branchenbarometer bedienen, die oftmals quartalsweise berichten. Aber hier empfiehlt es sich, Vorsicht walten zu lassen, wie ich es in vielen Gesprächen mit Anlageinteressierten zuletzt erfahren habe. Das „Deutsche Private Equity Stimmungsbarometer“ ist wie alle Barometer nur eine sehr bedingt hilfreiche Unterstützung bei der Entscheidung, ob und wann man in privates Beteiligungskapital investieren sollte.

Es ist schon eine wirklich schwierige Zeit für Kapitalanleger. Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine umso größere Herausforderung für jeden einzelnen, da er sich nur sehr ungern vom dem entfernt, was er in der Vergangenheit getan hat. Dieses immer latente Gefühl, schlussendlich doch nichts verändern zu können wird nach Wiliam Samuelson und Richard Zeckhauser (1988) als „Status Quo-Bais“ bezeichnet, was man auch als „Status-Quo Vorliebe“ übersetzen könnte. Wer kennt das nicht, dass man lieber am aktuellen Zustand festhält und diesem eine Änderung vorzieht?

Valide Einschätzung zur Geschäftslage und -erwartung durch Private Equity Barometer?

Selbst die gedankliche Überwindung dieses Problems löst das Anlageproblem leider nicht von selbst. Bei der Annäherung an Anlageklassen wird man schon sensibler und liest dazu doch alles, was man in der Presse so finden kann. Viele potentielle Interessenten lesen auch immer wieder das „German Private Equity Barometer“, dass von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesverband der deutschen Beteiligungsgesellschaften (BVK) einmal im Quartal erhoben und veröffentlicht wird. Es zeigt schlicht, wie die Teilnehmer, nämlich die Beteiligungsgesellschaften und ihre Manager die augenblickliche Geschäftslage und -erwartung einschätzen.  Pro Quartal, also eine kurzfristige Stimmungseinschätzung.

Dass dieses Barometer bei der Entscheidung in diese Anlageklasse zu investieren auf eine hohe Akzeptanz stößt, habe ich in den letzten Wochen in Gesprächen mit vielen Anlageinteressierten erfahren müssen. Aber ist das das richtige Entscheidungsinstrument?

Laut dem „German Private Equity Barometer“ sank das Geschäftsklima  im letzten Quartal 2012, bedingt „durch eine Eintrübung im Spätphasensegment“, d.h. bei  Wachstums- und Unternehmensnachfolge-Finanzierungen, so dass ich oft gefragt wurde, ob denn ein Einstieg durch die Geschäftsklimaveränderung denn derzeit überhaupt noch attraktiv sei. Eine große Tageszeitung sprach vor 10 Tagen in diesem Kontext sogar von einer „schwindenden Zuversicht auf dem Beteiligungsmarkt“.

German Private Equity Barometer

Kein Wunder, dass an Beteiligungsfonds Interessierte, die solche Artikel und Barometer lesen skeptisch werden. Die Stimmungsabsenkung liegt im Spätphasenbereich begründet und wird mit Sorgen von weiteren Abschreibungen auf die Bestände begründet. Hierbei sieht man die Gefahr, dass hohe Kaufpreis-Fremdfinanzierungen für erworbene Portfoliounternehmen im Rahmen von Konjunktureintrübungen nicht mehr bedient werden können. Des Weiteren wird als Beweggrund für die pessimistischere Einschätzung die Gefahr höher Einstiegspreise bei neuen Beteiligungen und verschlechterte Veräußerungsbedingungen angeführt.

Was ist wirklich relevant, wenn man in einen Beteiligungsfonds investieren will?

Aber diese Punkte haben nicht unbedingt die Relevanz, wenn man in einen Beteiligungsfonds investieren will. Denn viele Aspekte, die bei der Beurteilung der zukünftigen Attraktivität mit einzubeziehen sind, bleiben unberührt. Hängt die Zukunftseinschätzung z.B. nicht auch davon ab, in welchen Maß der vom Interessenten avisierte Fonds überhaupt seine Transaktionen mit Fremdkapital finanzieren will oder wird? Ist denn die angeführte Gefahr hoher Einstiegspreise nicht auch von der Branche abhängig in die die Fondsmanager investieren werden? Hängt zudem die Höhe und Volatilität des Einstiegspreises nicht auch von der Größe des Unternehmens ab? Hier kann man doch ganz klar, zumindest historisch betrachtet, differenzieren und feststellen, dass kleine Transaktionen und damit auch kleinere Unternehmensbeteiligungen recht stabile Kaufpreismultiples vorweisen können. Dieser Effekt und Vorteil sinkt allerdings mit wachsender Transaktionsgröße. Entscheidend ist auch der Branchenfokus des Fonds. Auch er wird dafür sorgen, ob man sich bei einer Konjunkturabkühlung Sorgen machen muss. Aber was hilft allein die beste, attraktivste Branche, wenn man aufgrund der Investitionsregion des Fonds sich unsicher fühlt oder weiß, dass diese bei einer europaweiten wirtschaftlichen Abkühlung besonders stark getroffen sein könnte. Liegt der Fokus z.B. auf südeuropäische Länder? Oder auch der Aspekt hoher Exportquoten in nicht-EU Länder kann Währungseffekte geplanter Beteiligungen und Fondszeichnungen zur Folge haben, die ohne Einflussmöglichkeit zu Leistungsschwankungen führen können.

Das soll nicht heißen, dass dieser stimmungsaufnehmende Barometer all diese Aspekte mit einbeziehen sollte. Nein nein, man sollte es aber tun, wenn man selbst beabsichtigt, in Beteiligungsfonds zu investieren.

Den wichtigsten Aspekt habe ich mir aber bis zum Schluss aufgehoben:

Barometer geben immer eine augenblickliche Stimmungslage der in den Märkten agierenden Personen wieder. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass das Beteiligungsgeschäft ein langfristiges Geschäft ist. Diese lässt sich nicht nur an den genannten durchschnittlichen Beteiligungsdauern in den Beteiligungsprospekten nachlesen, sondern wird auch durch eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften bestätigt (siehe BVK Studie Mai 2012: „Eine Analyse der Beteiligungsdauer bei Private Equity-Finanzierungen in Deutschland“): Unternehmen aus Nachfolgeregelungen („Buy-Outs“) haben eine durchschnittliche Beteiligungsdauer von 54 Monaten im Portfolio bzw. 46% aller Nachfolgefinanzierungen sind länger als 4 Jahre im Bestand.

Private-Equity Buy-out Grafik

Langfristige Investmentmöglichkeiten z.B. in Beteiligungsfonds  kurzfristig, praktisch mit einem „Blitzlicht“, zu beurteilen bietet immer die Gefahr der Fehlbeurteilung.

Heute war im Handelsblatt übrigens unter der Überschrift „Rückkehr der Optimisten“ zu lesen, dass die Exporterwartungen der Unternehmen laut einer DIHK-Umfrage wieder zulegen. Bedeutet das, dass im nächsten Quartal das Private Equity Barometer sich wieder erholen wird und damit sein Zick-Zack-Kurs weiter fortsetzt? Ich bin gespannt und fiebere zusammen mit Ihnen dem nächsten Barometer entgegen. Auch in diesem Fall hoffentlich ohne eine Einflussnahme auf Ihre Entscheidungsfindung.

Ein Gedanke zu „Wann ein Beteiligungskapital-Branchenbarometer weiterhelfen kann und wann nicht

  1. Die Pessimisten sehen die Probleme, die Optimisten denken in Optionen …

    Ihrem Credo stimme ich persönlich zu – nachhaltige Investments kann ich nicht nach der „aktuellen Wetterkarte“ entscheiden. Und viele neigen immer wieder dazu, wie die Lemminge in die medial angesagte Richtung zu laufen und dies auch „logisch“ begründen zu müssen. Welche Cassandrarufe und Prognosen haben wir erst kürzlich (2008/2009) anlässlich der weltweiten Finanzkrise vernommen? Und wie war das mit dem immer wieder verschobenen Tiefpunkt der Zinskurve?
    Psychologie und Weitsicht unter einen Hut zu bringen ist oft eine Kunst, gerade im wirtschaftlichen Kontext.
    Nun aber Genug der Weisheiten 😉

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