Warum haben Beteiligungsfonds oftmals so ein schlechtes Image?

Vor ein paar Tagen sagte mir ein Vorstandschef einer großen deutschen Bank, dass sich private Anleger nicht nur in Deutschland aufgrund der niedrigen Verzinsung immer eher dazu bereit erklären, einen Teil ihres Vermögens auch in riskantere Anlagen zu investieren, um dadurch eine bessere Verzinsung für ihr Gesamtvermögen erreichen zu können. Er fügte hinzu, dass das nicht immer nur aus „sportlichen Gründen“ geschieht, sondern vielfach der Tatsache geschuldet ist, dass eine bestimmte Ziel-Vermögensposition bis zur geplanten Rente erreicht werden soll, was aufgrund der jetzigen Zinssituation kaum möglich ist. Bestätigt wurde mir der Nachfragetrend zu mehr Risiko in den letzten knapp 10 Wochen auch durch einen bedeutenden Schweizer Asset Manager, der mich letzte Woche anrief.

Die richtigen Bewertungsparameter ansetzen

Neben der zunehmenden Nachfrage nach z.B. Aktien (!), Aktienanleihen (!!) und auch Mittelstandsanleihen, die an anderer Stelle noch einmal eine besondere Würdigung wert sind, steigt auch das Interesse an außerbörslichen Beteiligungen (!!!). Das ist für viele private Anlageinteressenten insoweit ein „innerer Konflikt“, da sie nicht direkt Beteiligungen erwerben wollen und Beteiligungsfonds leider oftmals, so sagt man mir, aus ihrer Sicht kein so gutes Image haben.

Ist das gerechtfertigt? Ich sage: Nein, absolut nicht!  Entscheidend ist es doch, Bewertungsparameter anzusetzen, die für den privaten Anleger im Ergebnis zu einer qualitativ guten Auswahl an sogenannten „Single-Fonds“ führen können. Das setzt aber voraus, dass man sich – wie man es auch bei seinen anderen Anlageentscheidungen tun sollte – mit dieser Anlageform einmal genauer auseinandersetzt.

Wer in außerbörslichen Beteiligungen  investieren will, sollte Vertrauen mitbringen aber auch die Erfahrungen und die Reputation des Managements genau prüfen!

Der wesentliche Parameter ist, dass man dem Management vertraut bzw. zu ihm Vertrauen entwickelt. „Wer in Private Equity investieren will, muss viel Vertrauen mitbringen“, konstatiert daher nicht umsonst Gerald Braunberger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Dezember 2012 in seinem Artikel „Hübsches Stiefkind“.

Vertrauen kann zwar eigentlich erst im Laufe der Zeit entstehen, aber es gibt stets ein paar Indikatoren, die einen Vertrauensvorschuss rechtfertigen können. Zum einen der eigene Eindruck, der sich über die Gespräche mit dem Management aufbaut und verfestigt. Zum anderen, in dem man die Reputation der handelnden Personen überprüft. Kann man im Rahmen der Analyse feststellen, ob das Fondsmanagement Personen kennt, zu denen man selbst wiederum Kontakt hat? Haben diejenigen, die Investmententscheidungen treffen, genügend Erfahrung in dem Geschäft oder ist es für sie das erste Mal?

Es hilft natürlich auch, sich die bisherigen Leistungen der Manager einmal anzuschauen. Aber lassen sich diese auch auf die geplante Strategie des neuen Fonds übertragen, da sich zum Beispiel das Fondsvolumen des jetzt angebotenen Fonds seit der Leistungserbringung des alten Fonds verdoppelt oder die Strategie geändert hat? Oder zeigt sich doch nur ein Trend als Indikator dessen, was in der Vergangenheit unter zukünftig nicht mehr vergleichbaren Parametern erreicht wurde? Denn jede Transaktion ist von ihren Rahmenbedingungen her nicht mehr wiederholbar, unabhängig von Ihrer Größe.

Zum Vertrauensaufbau gehört es auch, dass das Fondsmanagement darüber berichtet, wie es die Gesellschafter über die Fondsentwicklung informieren will. Das ist besonders wichtig, da vielfach zu hören ist, dass das Fondsmanagement oft nicht genügend oder sogar schlecht informiert. Hierbei können die Sichtweisen zwischen Fondsmanagement und Fondsgesellschafter ausgesprochen unterschiedlich sein, wie Studien zeigen.

Kommunikation ist in der Tat ein sehr subjektives Empfinden, zumal Fondsgesellschafter unterschiedliche Informationsbedürfnisse haben können. Wichtig ist es daher zu klären, wie, in welchem Turnus und über welche Inhalte das Fondsmanagement berichten wird. Macht es das zukünftig nur schriftlich oder sogar persönlich, nur jährlich oder auch unterjährig? Insgesamt fördert ein kontinuierlicher Dialog definitiv das Vertrauen. Der Fondsmanager verdient es sich aber erst, wenn er getroffene Absprachen auch im Nachhinein wirklich einhält.

Vertrauensvorschuss oder Argwohn ins Fondsmanagement?

Vielfach hört man auch den Argwohn potentieller Fondsinteressenten, dass man ja in einen Fonds investiert, ohne zu wissen, in welche Unternehmen letztlich insgesamt investiert werden wird. Das stimmt. Wie soll es auch anders gehen? Auf privaten Märkten kann man nicht mehrere Unternehmer solange über einen Zeitraum „hinhalten“, bis nacheinander die Transaktionen für den Fonds umgesetzt worden sind. Das ist nicht praktikabel, lässt aber auch der Wettbewerb nicht zu.

Vielfach stört Anleger in diesem Zusammenhang auch das opportunistische Investieren des Fonds. Entweder ist bei solchen Fonds aus der Vergangenheit wirklich kein Industrieschwerpunkt erkennbar, der sonst vom Fondsmanagement für die Zukunft bestätigt wird, oder er verbessert sein Komfortgefühl, in dem er in Fonds mit klarem Branchenfokus zeichnet. Da weiß man wenigstens, in welche Branchen investiert werden soll und kann auch hinterfragen, warum diese als zukünftig attraktiv eingeschätzt werden. Hierbei muss das Team natürlich entsprechende Expertise zu den verfolgten Branchen vorweisen können. Handelt es ich dabei um einzubindende Experten, die nicht direkt zum Fondsmanagement gehören, können diese bei entsprechender Reputationsprüfung dem Fonds sogar einen Vertrauensschub geben.

In diesem Kontext berichten mir immer wieder interessierte Personen, dass sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, da sich das Fondsmanagement oft angeblich „die Taschen voll macht“ unabhängig davon, wie sich der Fonds entwickelt. Dieser Vorwurf, unabhängig davon, dass er durch seine Pauschalisierung gefährlich und auch fast immer nicht richtig ist, ließe sich auch auf andere Anlageformen übertragen. Und zwar überall dort, wo am Produkt und nicht an der Leistung verdient wird.

Aber ich will mich hier ja nur auf das Beteiligungsgeschäft beschränken. Daher hilft es ganz einfach, einmal das Geschäftsmodell des Fondsmanagements zu überprüfen: Besteht Interessengleichheit zwischen Fondsmanagement und Fondsanlegern? Ist sichergestellt, dass alle Fondsverantwortlichen neben der Deckung ihrer Kosten im Wesentlichen nur bei einem Erfolg des Fonds Ihr Geld verdienen, was am leichtesten bei jungen, neuen Fonds mit „ja“ zu beantworten ist? Oder sind seitens des Anlegers Vertriebskosten in Form eines Agios auf das Produkt aufgeschlagen worden oder zusätzliche „weiche Kosten“ für die Fonds- oder jeweilige Investment-Initiierung zu bezahlen, so dass man das Gefühl bekommen muss,  dass auch „am Produkt“ verdient wird? Hierbei helfen oftmals ein genaues Nachfragen und das Finden einer entsprechenden Regelung im Gesellschaftsvertrag.

Das Fondsmanagement sollte seinem Investments die notwendige Aufmerksam geben
Neben vielen anderen wirklich wichtigen Aspekten, die man an dieser Stelle noch anführen müsste, und die einer Würdigung absolut wert sind, möchte ich einen Punkt doch noch gesondert hervorheben. Ein wichtiges Argument, das mir immer wieder genannt wird, ist, ob das Management dem Fonds, in den man zu investieren plant, auch wirklich die notwendige Aufmerksamkeit gibt. Diese Bedenken lassen sich am Leichtesten bei einem neuen Fonds ausräumen, dessen Management sich ganz auf diesen Fonds konzentrieren kann und sich nicht noch um die Weiterentwicklung oder Veräußerung von Beteiligungen früherer Fonds kümmern muss.

2 Gedanken zu „Warum haben Beteiligungsfonds oftmals so ein schlechtes Image?

  1. Sehr geehrter Dr. Neukirchen,
    wenn Beteiligungsgesellschaften ihr Unternehmensbild in ihrem definierten Markt aufbauen wollen oder verbessern müssen, ist die richtige und nachhaltige Kommunikation mit allen geschäftsrelevanten Anspruchsgruppen entscheidend und wichtigstes Instrument des Managements. Die Kommunikation – ich meine damit den offenen und ständigen Dialog und nicht am Reißbrett geplant-getaktete Einbahnstraßen-Information! – muss glaubwürdig, stimmig, verständlich sein und zur richtigen Zeit erfolgen und das über alle Kanäle hinweg. Nur so gewinnt man das Vertrauen der Menschen, mit denen man Geschäfts machen möchte. Sie schreiben richtig: „…die Erfahrungen und die Reputation des Managements genau prüfen…“ ist wichtig, also zu evaluieren, welches Bild die Welt der aktuellen und potenziellen Investoren oder die interessierte Teil-Öffentlichkeit von der Private Equity Branche, den Beteiligungsunternehmen und ihren Akteuren hat. Über Suchmaschinen in der Welt des Internets, über Evaluationstools, Medien- und Reputationsanalysen und über persönliche Gespräche bekommt man dazu sehr viel heraus. Das ist kein Hexenwerk mehr sondern ein hilfreiches Vorgehen, um die Seriösen aus den nicht ganz so seriösen Akteuren herauszufiltern. Das aus dem Englischen stammende Wort „Image“ bedeutet auch „Vorstellungsbild“, „Ebenbild“ oder auch „Verkörperung“. Unter „Unternehmensbild/ Image“ versteht man das Vorstellungsbild, das ein Einzelner oder eine Menschengruppe mit einem bestimmten Unternehmen verbinden. Das Firmenimage kann sich durch äußere Ereignisse, durch eine Änderung des Angebots beziehungsweise andere Firmenaktivitäten und auch durch das Verhalten von Mitarbeitern ständig ändern. Dieser Wandel kann – etwa durch eine Krise ausgelöst – schlagartig oder über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgen. Ein aktuelles Beispiel ist auch sicherlich die Steuerbetrugsaffäre der Deutschen Bank.“Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen“ – das hat Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank, einmal gesagt. Er wurde von seinen Leuten anscheinend nicht gehört. Ein anderer kluger Kopf sagte mal: „Falsch ist, was nicht meinen Vorstellungen entspricht.“ Da stellen sich gleich ganz viele Fragen: Welches Vorstellungsbild haben meine aktuellen und potenziellen Geschäftspartner von mir? Woran liegt es, dass das Bild vieler Private Equity Unternehmen und deren Management so schlecht ist? Werden Beteiligungsgesellschaften eher als Heilsbringer oder als Hasardeure gesehen? Liegt die Ursache in der immer noch nachwirkenden „Heuschrecken Diskussion“ einst von Herrn Müntefering Image prägend in die Welt getragen oder am Geschäftsgebaren einiger Private Equity Unternehmen? Und warum sollten man ihnen Vertrauensvorschuss geben? Der Begriff der „Vertrauenswürdigkeit“ wird oft mit Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Beständigkeit, Seriosität und Schlüssigkeit in Verbindung gebracht. Diese Eigenschaften können auch den Repräsentanten von Firmen beziehungsweise deren Kommunikationspolitik zugeschrieben werden. Das Zurückhalten von Informationen ruft zum Beispiel im Krisenfall Misstrauen bei Medienvertretern und Öffentlichkeit hervor. Wer mit seinem Unternehmen Fehlverhalten zugibt und sich um Wiedergutmachung bemüht, wirkt vertrauenswürdiger als eine Firma, die nach der Devise handelt: „Wir sagen nichts, so lange wir nicht müssen.“ Auch im normalen Alltag wirkt sich ein offenes Verhalten sehr positiv auf das Unternehmensbild aus. Der Schlüssel anders und besser als der Wettbewerb zu sein liegt also m. E. in der Persönlichkeit (persönliche Qualität und Werte-Verständnis) des Fondsmanagements, deren Ernsthaftigkeit und Aufmerksamkeit mit der sie ihren Job tun sowie deren Kommunikationsverhalten begründet und weniger im Produktprofil oder riskanteren Anlagen. Das Besondere und den Kick des Risikos suchen viele. Eigentlich ganz banal, aber viel zu oft missachtet. Schön, dass Sie diesen Aspekt herausgestellt haben!

  2. Ein Mehrvertrauen schafft ein Management, das nicht nur an seine eigenen Entscheidungen glaubt, sondern auch eigene Mittel einsetzt, d.h. an den Risiken der Investitionen in für das für seine Verhältnisse signifikantem Umfang partizipiert.

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