Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit einzelner Wirtschaftsstandorte. Die Diskussion und das Ausblenden wesentlicher Markt-Parameter.

Die mahnenden Diskussionen über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit einzelner Wirtschaftsstandorte sind so alt wie die jeweiligen Standorte selbst. Oft wird die Innovationskraft als Gradmesser herangezogen. So hat zum Beispiel das Handelsblatt vom 18. April 2013 in einem mehrseitigen Artikel untersucht, warum der MDAX in den letzten Jahren deutlich besser abgeschnitten hat, als der Dax. Das Ergebnis, das beispielhaft an mehreren börsennotierten mittelständisch geprägten Unternehmen festgemacht wird, kann man auf die Innovationskraft zurückführen, insbesondere anhand der Gesellschaften, die in ihren jeweiligen Nischen agieren.

Die Innovationskraft eines Landes lässt sich zwar nicht „gesetzlich beschließen“, aber die Rahmenbedingungen für die Unternehmen z.B. in Deutschland kann man  grundsätzlich verbessern, indem man beispielsweise Unternehmensaufwendungen für Forschung und Entwicklung steuerlich begünstigt, wie in einigen anderen Industrie-Ländern üblich.

Natürlich nehmen auch das Thema „Qualifizierung von Arbeitsplätzen“, und der „Erhalt qualifizierter Fachkräfte“ eine wichtige Rolle im Rahmen der Wettbewerbsdiskussion ein.  Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, ist insbesondere auf das Thema des Wachstumserhalts in einer alternden Gesellschaft in einem Gastkommentar im Handelsblatt vom 3. Mai eingegangen. Was bedeuten seine drei StellschraubenKöpfe“, „Zeit“ und „Produktivität“ in diesem Kontext für den einzelnen Unternehmer? Wenn er nicht genügend Arbeitskräfte im Inland für zu besetzende Positionen findet, versucht er zunehmend, auch im Ausland qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Insbesondere, so Hüther, hat sich der Zuzug von Zuwanderern erhöht, die mit technisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen ausgestattet sind, was erst durch eine leichtere Anerkennung von Qualifikationen und der verbesserten gesetzlichen Rahmenbedingung zur Genehmigung der Arbeitserlaubnis möglich war. Unter dem Aspekt „Zeit“ hilft es dem Unternehmer unter anderem, dass sich das gesetzliche Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht hat. Auf den dritten Punkt „Produktivität“ hat der Unternehmer direkten Einfluss, kann er doch selbst die Förderung und Weiterbildung von Mitarbeitern initiieren und auch eine präventive Gesundheitsförderung vorantreiben.

Günther Oettinger führt in seinem Gastkommentar im Handelsblatt vom 29. April 2013 unter der Überschrift „Die Feinde der Industrie“ dazu an, dass für den Unternehmer die Energiekosten neben den Personalkosten den höchsten Kostenblock darstellen. Für den europäischen Unternehmer ist es im außereuropäischen Vergleich schwer mit seinen Produktpreisen konkurrenzfähig zu sein. Denn während diese die Energiewende zur CO² Reduktionen mitbezahlen müssen, profitiert z.B. der amerikanische Unternehmer von der forcierten Förderung billiger Energieressourcen. Demzufolge müsste der deutsche Unternehmer seine energieintensive Produktion z.B. in die USA verlagern oder zukünftig noch ressourcensparender produzieren.

Die Zukunftseinschätzung eines Wirtschaftsstandortes hängt aber auch von einem gesunden Wettbewerb ab, der erst dafür sorgt, dass der Unternehmer an der Umsetzung der zuvor genannten Aspekte auch Interesse hat bzw. ihn zur Umsetzung motiviert. Erst durch eine Vielzahl an Wettbewerbern ergibt sich der Zwang des Agierens und bietet die Chance, dass ein Wirtschaftsstandort weiterhin attraktiv und wettbewerbsfähig bleibt.

Unweigerlich gehört aus meiner Sicht daher eine weitere, sehr bedeutungsvolle Komponente mit in die Gesamtbetrachtung, nämlich die Lösung des Nachfolgethemas für viele einzelne Unternehmer. Was hilft es der Wirtschaft, wenn im Rahmen mangelnder Veräußerungsmöglichkeiten der Unternehmer seine „gut aufgestellte Firma“ aus Mangel an Möglichkeiten schlicht an einen Wettbewerber veräußert? Ich beobachte eine solche Situation selbst gerade. Üblicherweise ist es seitens des Käufers das einzige Ziel, Marktanteile zu erwerben. Häufig ist die restliche Organisation der zu erwerbenden Einheit nicht wichtig und stellt das abzubauende und Kostenvorteile bringende Synergiepotential dar. Innovations-Know-how wird vom strategischen Erwerber leider nicht immer erkannt oder stumpft durch vergebliche Eingliederungsversuche der übernehmenden Einheit ab. Ein Wettbewerber verschwindet vom Markt und damit leider auch seine Einzigartigkeit und sein Motivationswille, die durch die bislang handelnden Personen und ihrer Einstellung zur Arbeit verloren geht.

Leider wird in solchen Diskussionen und auch Situationen häufig vom veräußerungswilligen Unternehmer die Ansprache von Beteiligungsgesellschaften „übersehen“ oder mit ihnen mit Vorbehalten begegnet. Warum eigentlich? Das Image der Beteiligungsgesellschaften war und ist nicht immer gut, doch die vorgetragenen Argumente sind überwiegend haltlos! Das Bild, dass Beteiligungsfonds ihre Akquisitionen mit einem hohen Fremdkapitalanteil finanzieren und somit das erworbene Unternehmen mit einem erdrückenden Schuldendienst überfrachten, ist überholt. Es mag vielleicht noch den einen oder anderen Fall solcher Vorgehensweisen geben, aber das sind nur noch Einzelfälle, weil auch die Investoren dieser Fonds nicht mehr an solch fragwürdiges Geschäftsmodell glauben und auch unternehmerische Entwicklungen zur Wertsteigerung fordern. Die Unternehmenswertsteigerung durch Weiterentwicklung steht damit im Vordergrund. Unterstützt wird diese Beobachtung auch durch Untersuchungsergebnisse einzelner Institute. So hat bspw. die Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft gezeigt, dass Unternehmensübernahmen, die durch Beteiligungsgesellschaften durchgeführt wurden, zu positiven, wertsteigernden Effekten bei den erworbenen Unternehmen führten.

Des Weiteren bieten Beteiligungsgesellschaften für die Unternehmer eine Veräußerungsalternative an, die nicht an ihre Wettbewerber verkaufen wollen, da sie den oben angeführten Arbeitsplatzabbau in ihrem Unternehmen befürchten. Die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, die der Unternehmer bis zuletzt als das wichtigste Kapital seiner Firma anführte, steht in diesem Prozess im Vordergrund. In der Prioritätenliste dürften aus Sicht der Unternehmer dabei solche Beteiligungsgesellschaften „weit vorne stehen“, die ihre Beteiligung nicht nach kurzer Zeit dann doch an den Wettbewerber veräußern, sondern aufgrund ihrer Statuten in der Lage sind, Unternehmen langfristig bzw. zeitlich unbefristet weiterzuentwickeln.

Nicht nur der Aufbau von Arbeitsplätzen und die positive Weiterentwicklung von mittelständischen Unternehmen rechtfertigt die Einbindung von Beteiligungsgesellschaften. Diese haben auch, da sie für unveränderten Wettbewerb innerhalb der einzelnen Branchen sorgen, eine deutlich verstärkte wettbewerbs- und ordnungspolitische Aufgabe. Leider wird bei aller Viel-Dimensionalität zum Thema Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsstandorten genau das übersehen. Das ist aus meiner Sicht sehr bedauerlich!

Diese Aspekte haben aber eine eindeutig dominantere Einbindung in diese Diskussion verdient. Wussten Sie, dass allein die im Bundesverband Deutscher Kapitalgesellschaften aufgeführten Beteiligungsgesellschaften insgesamt per Ende 2012 über 5.800 Beteiligungen in Ihrem Portfolio hatten und laut BVK-Jahresstatistik 2012 in diesen knapp 1 Millionen Menschen beschäftigt waren?